Politik : Vermeintlichem DDR-Mörder ist nichts nachzuweisen

Frank Jansen

Berlin/Karlsruhe - Der Fall galt als spektakulärer DDR-Krimi. Nun ist fast nichts mehr übrig. Generalbundesanwalt Kay Nehm hat nach Informationen des Tagesspiegels Ende März das Ermittlungsverfahren gegen den angeblichen SED-Auftragskiller Jürgen G. eingestellt. Der Verdacht, G. habe von 1976 bis 1987 mit vier weiteren Tätern bis zu 28 Menschen in der Bundesrepublik und in Nachbarländern ermordet, war nicht zu erhärten. Das Bundeskriminalamt hatte den Klempner im September 2003 in Brandenburg festgenommen. Die Tatvorwürfe gegen den vermeintlichen Serienmörder riefen große Aufregung hervor. Doch nachzuweisen war Jürgen G. nichts.

Der Mann hatte sich allerdings selbst in die Bredouille gebracht – und damit bei Bundesanwaltschaft und BKA aufwändige Ermittlungen ausgelöst. Jürgen G. erzählte 1995 einem Journalisten, er und die Mittäter hätten Überläufer aus Ministerien und Kombinaten der DDR „liquidiert“. Der Journalist, ein Ex-Stasi-Major, berichtete 1999 der Bundesanwaltschaft von dem Fall. Doch erst 2001 kamen die Ermittlungen in Schwung.

Im Oktober 2001 wurde ein Gespräch zwischen dem Journalisten und G. in einem Hotel in Travemünde abgehört, im November schaltete sich ein Under-Cover-Mann des Bundeskriminalamts ein. Der Beamte gab sich gegenüber G. als CIA-Repräsentant aus – und behauptete, er suche für Tötungsaufträge Männer mit Erfahrung. So sollte G. dazu gebracht werden, seine früheren Taten zu offenbaren. Bei 17 Gesprächen mit dem verdeckten Ermittler nannte G. Details, aber kaum Opfer der Mordserie. Eines sollte der Postminister der DDR gewesen sein – der jedoch bis 1989 amtiert hatte. Trotzdem nahm das BKA schließlich G. fest.

Schon im Dezember 2003 kam er wieder aus der Untersuchungshaft frei. Bei den Verhören hatte G. alles bestritten, der Verdacht wurde immer schwächer. Völlig verschwunden ist er aber nicht. In Sicherheitskreisen wird vermutet, G. sei an Machenschaften der Stasi beteiligt gewesen. Aber an welchen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar