Politik : Vermerke und Vermutungen

Wie dicht waren Fahnder Neonazis auf den Fersen?

Eike Kellermann (mit dapd)

Erfurt - Seit Anfang 1998 wurde nach Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gefahndet. Damals galten sie noch nicht als die rechtsextreme Terrorbande, der die Bundesanwaltschaft inzwischen zehn Morde, zwei Bombenanschläge und 14 Banküberfälle vorwirft. Allerdings war damals ihre Bombenwerkstatt in Jena aufgeflogen. Die in der Neonaziszene groß gewordene Bande tauchte daraufhin ab. Seit dem 28. Januar 1998 suchte die Thüringer Justiz mit Haftbefehl nach den dreien.

Dass die Fahndung ein Misserfolg blieb, treibt seit Bekanntwerden der Terrorserie die Landespolitik in Erfurt um. Hektisch tagen die parlamentarische Kontrollkommission sowie der Innen- und Justizausschuss des Landtags. Die Sitzungen werden zum Teil unter höchste Geheimhaltung gestellt.

Naturgemäß blühen unter diesen Umständen die Spekulationen. Daher haben Medienberichte einigen Wirbel ausgelöst, wonach Zielfahnder die Untergetauchten zwischen 1998 und 2002 einige Male im Visier hatten, der Zugriff aber irgendwie immer vermasselt wurde.

Offiziell bestätigt wurde dazu bisher so gut wie nichts. Lediglich der Thüringer Generalstaatsanwalt Hartmut Reibold hatte von einem Vermerk des Landeskriminalamtes aus dem März 2002 berichtet, wonach Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in der Gegend von Chemnitz in Sachsen vermutet wurden.

Nach einer erneuten Sitzung des Justizausschusses berichtete nun die „Thüringer Allgemeine“, dass es zwischen 2000 und 2002 „mehrere Chancen“ für eine Festnahme der Neonazibande gab, die unter anderem wegen mangelnder Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz verpasst wurden. Darauf lassen „ein halbes Dutzend Aktenvermerke“ schließen, die Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) präsentiert habe.

Unterdessen brachte die Öffentlichkeitsfahndung zu den drei Mitgliedern der Neonazibande erste Reaktionen. Einen Tag nach Start der Fahndung seien beim Bundeskriminalamt (BKA) rund 70 neue Hinweise eingegangen, hieß es. Laut „FAZ“ könnte die Jenaer Terrorzelle indes auch mit dem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung 1999 in Saarbrücken und mit einer Serie von Brandstiftungen im saarländischen Völklingen zu tun haben.Eike Kellermann (mit dapd)

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