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Vermisste Talmudschüler : Palästinensischer Parlamentspräsident wegen Entführung festgenommen

Israel macht Hamas für die Entführung verantwortlich und nimmt Asis Dweik, den Präsidenten des palästinensischen Parlaments, fest. Ein Notruf der Entführten wurde von der Polizei zunächst ignoriert.

Asis Dweik, der palästinensische Parlamentspräsident, wurde festgenommen.
Asis Dweik, der palästinensische Parlamentspräsident, wurde festgenommen.Foto: dpa

Israel hat wegen der Entführung dreier israelischer Jugendlicher den Präsidenten des palästinensischen Parlaments festgenommen. Asis Dweik, der der radikalislamischen Hamas angehört, wurde nach Angaben einer Armeesprecherin in der Nacht zum Montag festgenommen. Insgesamt habe es im Westjordanland mehr als 40 Festnahmen gegeben, teilte das Militär mit. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Hamas zuvor direkt für die Entführung verantwortlich gemacht. Die israelischen Sicherheitskräfte reagierten auf die Entführung mit der größten Festnahmewelle in den besetzten Gebieten seit Jahren. Insgesamt wurden seit Donnerstagabend 150 Palästinenser festgenommen. Hebron und mehrere umliegende Dörfer im Westjordanland wurden abgeriegelt.

Notruf der Entführten wurde nicht beachtet

Die drei israelischen Talmudschüler, zwei 16-Jährige und ein 19-Jähriger, waren zuletzt am Donnerstagabend beim Trampen nahe der jüdischen Siedlung Gusch Ezion im südlichen Teil des Westjordanlands gesehen worden. Der Ort liegt zwischen Hebron und Jerusalem, ihrem mutmaßlichen Ziel. Unterdessen wurde bekannt, dass einer der Jugendlichen kurz nach der Entführung einen Notruf bei der Polizei getätigt hatte. „Man hat mich entführt“, habe er geflüstert. Der zuständige Polizist sei jedoch von einem Scherzanruf ausgegangen. So sei bis zur Alarmierung der Armee wertvolle Zeit verstrichen.

Israelische Soldaten töten Palästinenser

Bei Auseinandersetzungen mit palästinensischen Demonstranten im Westjordanland töteten israelische Soldaten nach Angaben von Medizinern und Augenzeugen einen 20-jährigen Palästinenser. Ein weiterer junger Mann habe bei den Zusammenstößen in Ramallah schwere Verletzungen durch Schüsse in den Rücken erlitten, hieß es weiter. Seit dem Verschwinden der Jugendlichen hat Israels Armee mehr als 150 Palästinenser festgenommen. Die Suche im Westjordanland, vor allem im Bereich der Stadt Hebron, läuft auf Hochtouren.
In der Nacht zum Montag bombardierte die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Gazastreifen. Es seien Waffenlager sowie „Terrorstätten“ im Norden und Süden des Küstenstreifens angegriffen worden, teilte das Militär mit. (AFP/dpa)

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