Politik : Vermittler im Bistum

Bischofswechsel: Zdarsa folgt Mixa in Augsburg

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Berlin - Bischof Konrad Zdarsa ist kein Mann des Barock, weder von der Statur noch vom Gehabe her. Er mag es schlicht. Der Kontrast zu Bischof Walter Mixa, den Zdarsa am heutigen Sonnabend als Bischof von Augsburg beerben wird, könnte kaum größer sein. Wer Mixa im Amt des Militärbischofs nachfolgen wird, ist noch nicht entschieden. Im Gespräch sind Bischof Zdarsa und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Mixa hatte seine Ämter auf Druck der Öffentlichkeit und Bischofskollegen im Mai niedergelegt, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, er habe Kinder geschlagen und Gelder veruntreut.

Mixa hatte das Bistum Augsburg durch seine umstrittenen, erzkonservativen Äußerungen und die Debatten um sein Fehlverhalten gespalten. Über 6000 Katholiken sind in diesem Jahr im Bistum aus der Kirche ausgetreten. „Auf den neuen Bischof wartet viel Vermittlungsarbeit“, sagt Diakon Gerhard Kahl. Er erwarte keinen großen Aufbruch, es sei schon viel gewonnen, wenn es Zdarsa gelingen würde, „dass man wieder miteinander redet“. Wie Kahl sehnen sich viele Katholiken in Augsburg jetzt nach einem „ganz normalen“ Bischof. Zdarsas Wahlspruch, „Seid friedfertig und demütig“, passe zur Situation der katholischen Kirche, sagt Kahl.

Helmut Mangold, der Diözesanratsvorsitzende und damit der oberste Vertreter der Gläubigen im Augsburger Bistum, ist zuversichtlich, dass der 66-jährige Zdarsa dem Bistum guttun werde. Bei seinem ersten Besuch in Augsburg habe Zdarsa gezeigt, dass er auf Menschen zugehen könne, es sei ein „Funke übergesprungen“. Auch dass er auf jeglichen Protz verzichtet habe – keine Blumen, kein roter Teppich, keine Hotelsuite –, sei gut angekommen.

Bischof Zdarsa leitete seit 2007 das Bistum Görlitz, mit 30 000 Katholiken das kleinste katholische Bistum in Deutschland. In Augsburg ist er für 1,4 Millionen Katholiken zuständig. Zdarsa gibt offen zu, dass es „keine einfache Berufung“ sei. Die Loyalität der Augsburger Mitarbeiter dürfte ihm sicher sein, denn auch in der Bistumsverwaltung hatte sich Mixa durch sein selbstherrliches Auftreten viele Feinde geschaffen. Mixa habe aber immer noch Anhänger, die behaupten, sein Rücktritt sei ungerechtfertigt gewesen, er sei gemobbt worden, sagt Mangold. Aber die „Mixerianer“ hätten sich in den vergangenen Wochen ruhig verhalten.

Mixa wohnt in einem Kloster der Franziskanerinnen im Bistum Eichstätt und erhält laut Aussage des bayerischen Kultusministeriums weiterhin 70 Prozent seiner früheren Bischofsbezüge als Ruhestandsgeld plus eine Aufwandsentschädigung für seinen Dienst als Militärbischof. Demnächst will er in die „Villa Barbara“ umziehen, ein leer stehendes Pfarrhaus in Gunzenhausen, ebenfalls im Bistum Eichstätt. Auf Wunsch der Gemeinde könnte er dort auch seelsorgerlich tätig werden.

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