Vernehmung : Terroristen wollten Luxushotel in die Luft sprengen

Die Attentäter von Bombay wollten nach Aussage eines festgenommenen Terroristen das Luxushotel "Taj Mahal" "in Schutt und Asche legen".

Achim Fehrenbach (mit dpa)
Kasav
Azam Amir Kasav wird von der indischen Polizei verhört. -Foto: AFP

Neu Delhi/BerlinWie die Zeitung "Times of India" am Samstag berichtete, handelt es sich bei dem gefassten Terroristen um einen Pakistaner aus Faridkot. Der 21 Jahre alte Azam Amir Kasav habe der Polizei bei seiner Vernehmung demnach gesagt, das historische Gebäude, das als ein Wahrzeichen der westindischen Finanzmetropole gilt, sollte in Schutt und Asche gelegt werden.

Zusammen mit einem Komplizen soll Kasav in der Nacht zum Donnerstag am Bahnhof der Stadt auf die Menschenmenge geschossen haben. Später sei er auf der Flucht in einem gestohlenen Auto von der Polizei gestoppt und bei einem Schusswechsel an der Hand verletzt worden. Anschließend habe er sich tot gestellt. Erst im Krankenhaus fiel auf, dass er atmete. Sein Komplize wurde von den Beamten erschossen.

Zweifel durch Rückkehr-Pläne zerstreut

Bei der Vernehmung sagte Kasav laut "India Times"weiter, die Drahtzieher der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba hätten ihm und seinen neun Komplizen gesagt, sie würden nicht auf eine Selbstmord-Mission geschickt. Stattdessen würden sie nach Ende ihres Auftrags nach Pakistan zurückkehren. Kasav sagte, die Terroristen hätten Bombay ursprünglich am Donnerstag verlassen wollen. Ihre Auftraggeber von Lashkar-e-Taiba hatten sogar eine Rückkehr-Route geplant und auf ihrem GPS-Empfänger gespeichert, den sie während der Anschläge bei sich trugen. Ermittler vermuten, dass die Auftraggeber mit dem angeblichen Rückkehr-Plan Zweifel an der Durchführbarkeit der Mission zerstreuen wollten.

In dem Verhör gab Kasav auch über die Ausbildung der Terroristen Auskunft. Alle seien kampftechnisch intensiv auf ihre Mission vorbereitet worden und hätten im Vorfeld zahlreiche Details erfahren. Darin sehen Ermittler einen Unterschied zu der sonst üblichen Ausbildung von Terroristen.

Terrorist: Pakistanisches Schiff lieferte Ausrüstung

Wie die "Times of India" weiter berichtet, sprach Kasav auch über den Beginn der Mission. Am 21. November sei die Terroristengruppe per Boot auf einem entlegenen Fluss nahe der pakistanischen Hauptstadt Karatschi gestartet. Waffen, Munition und Sprengstoff hätten sie erst später von Bord eines größeren pakistanischen Schiffes erhalten, das sie am Folgetag aufgenommen hätte. Nach dem Schiff wird inzwischen international gefahndet.

Kasav offenbarte bei der Vernehmung weitere Details vom Ablauf der Mission. Am 23. November seien sie zufällig auf einen indischen Fischdampfer gestoßen. Sie hätten vier Besatzungsmitglieder getötet und den Kapitän gezwungen, weiter Richtung Indien zu fahren. Am 24. November töteten sie auch den Kapitän, danach übernahm einer der Terroristen, "Ismail", das Steuer des Fischdampfers.

Gruppe verlangsamte ihr Fortkommen

"Ismail", der später von Polizeikräften getötet wurde, sei ein ausgebildeter Seemann gewesen. Mittels GPS habe er das Schiff nach Bombay gesteuert. Allerdings hätte die Gruppe ihr Fortkommen verlangsamt, um erst in der Abenddämmerung und nicht am hellichten Tage in Bombay einzutreffen. Den letzten Streckenabschnitt legten sie mit dem Schlauchboot zurück und gingen im Badhwar Park in Bombay an Land.

Zwei der Terroristen, Kasav und Ismail, seien dann mit dem Taxi zum Victoria-Bahnhof gefahren. Drei weitere Zweiergruppen seien zum "Oberoi"-Hotel aufgebrochen, vier Terroristen hätten sich zum Hotel "Taj Mahal" begeben. Laut Kasav hatten sie den Auftrag, Touristen, vor allem weißer Hautfarbe, zu töten.

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