Verpflegung : Reichlich Bier für Bundeswehr in Afghanistan

Die Soldaten der Bundeswehr plagen sich in Afghanistan mit Stress oder Langeweile – werden die Probleme dann in Alkohol ertränkt? Nachschub fließt jedenfalls reichlich.

Frank Jansen

Berlin -  990 000 Liter Bier und Biermixgetränke wurden im vergangenen Jahr den Einheiten geschickt, außerdem 69 000 Liter Wein und Sekt. In den ersten sechs Monaten 2008 waren es schon insgesamt 554 000 Liter. Die Zahlen stehen in der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Abgeordneten Elke Hoff, die im Verteidigungsausschuss sitzt. Sie habe von Deutschen, die in Afghanistan eingesetzt sind, und von Afghanen zu hören bekommen, dass in Bundeswehrcamps „ordentlich gebechert wird“, sagte Hoff am Mittwoch dem Tagesspiegel. Es gebe Anlass zu Sorge, aber sie wolle keinesfalls die Truppe pauschal verurteilen.

Das Ministerium sieht hingegen kein Problem. Von Alkoholexzessen in Afghanistan sei nichts bekannt, sagte ein Sprecher. Es gelte die „Zwei-Dosen-Regelung“: Pro Soldat seien am Tag nur zwei Halbliterdosen Bier gestattet. Rechne man die Besuchergruppen sowie die Soldaten anderer Nationen hinzu, die in den Camps einkaufen, würden deutsche Soldaten pro Kopf nur 0,7 bis 0,8 Liter Bier zu sich nehmen. Außerdem würden keine harten Spirituosen nach Afghanistan gebracht. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), hält es für „leichtfertig“, aus dem Umfang der gelieferten Mengen Alkoholprobleme abzuleiten. Er appellierte jedoch an das Ministerium, den Soldaten „eine Alternative zum Biertrinken zu geben, in Form von mehr Sport und kultureller Betreuung“.

Auch Abgeordnete von SPD, Union und Grünen im Verteidigungsausschuss sagten, sie wüssten nichts von großen Alkoholproblemen bei den 3600 deutschen Soldaten in Afghanistan. Andererseits hatten Männer der Eliteeinheit KSK dem Ausschuss bei den Untersuchungen im Fall Kurnaz berichtet, selbst Offiziere in bedenklichem Zustand erlebt zu haben. Das seien jedoch Einzelfälle, die außerdem lange zurücklägen, sagte SPD-Obmann Rainer Arnold. 

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