Politik : Verquetschte Wünsche (Kommentar)

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Helmut Kohl wird siebzig. Wie peinlich. Für ihn, weil er nicht angemessen feiern kann. Für die CDU, weil sie ihm nur verquetschte Glückwünsche senden darf. Für die Medien, weil ein runder Geburtstag sein ganzes Leben zum Thema macht. Was aber ist die Gesamtbilanz des Vaters der Deutschen Einheit, des Patriarchen der CDU, des Paten illegaler Spender? Es geht um Proportionen, genauer um ein Missverhältnis. Natürlich wiegt das Werk des Politikers Kohl schwerer als sein Gewerkel mit illegalen Geldern. Auf lange Sicht. Jetzt steht der Missetäter im Vordergrund. Kohl denkt, das liege an der linken Kampfpresse. Offenbar kennt er die Medien nicht mehr. Dort gibt es nur noch wenige ordentliche Linke, von kämpferischen ganz zu schweigen. Nein, das am Geburtstag so peinsame Missverhältnis hat einen anderen Grund: Kohls historisches Werk ist vergangen, die öffentliche Affäre um die illegalen Spenden aber dauert an. Weil er die Spender nicht nennt und nicht wirklich bereut. Kohl selbst hat sich seinen Geburtstag versaut. Hoffen wir also auf den 3. Oktober, seinen Tag, den 10. Jahrestag der Einheit. Bis dahin kann er manches ins Reine gebracht haben. Und auch die Zeit heilt. Dann können ihm alle von Herzen gratulieren.

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