Politik : Verraten und verplauscht

Warnte Brandenburger Verfassungsschützer einen Spitzel vor dem Verbot einer Nazigruppe?

Frank Jansen

Wenn Christian K. seinen rechten Oberarm anwinkelt, wölben sich ein Wikingerhelm, ein Schwert, ein Lorbeerkranz und ein etwas klumpig geratener Totenkopf. Doch so albern die Tattoos wirken – was der Rechtsextremist dem Tagesspiegel und der „Märkischen Allgemeinen“ berichtet, ist brisant. Christian K. war von 1998 bis 2002 V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes und will mindestens einen Beamten erlebt haben, der reichlich Dienstgeheimnisse preisgab. Bis hin zu der Ankündigung vom Sommer 2000, Bundesinnenminister Otto Schily plane das Verbot des deutschen Ablegers der Nazi-Skinhead-Vereinigung „Blood & Honour“. Was Schily am 14. September 2000 auch tat.

Wenn die Angaben des früheren Spitzels stimmen, weitet sich die jüngste Brandenburger V-Mann-Affäre zu einem Skandal mit bundesweiten Dimensionen aus. Die „Deutschland Division“ von „Blood & Honour“ galt bei den Sicherheitsbehörden als eine der aggressivsten und besonders gefährlichen Gruppen in der rechtsextremen Szene. Die selbst ernannte Skinhead-Elite vertrieb zahllose Hass-CDs, auf denen gegen Juden, Migranten, Linke und andere Gegner gehetzt wird. Ein Verbot galt als überfällig, schon lange vor dem September 2000. Doch dann bekam „Blood & Honour“, glaubt man den Äußerungen von Christian K., möglicherweise die Chance, sich dank eines redseligen Brandenburger Verfassungsschützers auf das Verbot vorzubereiten.

Als Schily am 14. September 2000 das Verbot vollstrecken ließ und in ganz Deutschland mehr als 30 Objekte durchsucht wurden, fiel die Ausbeute, so erinnern sich einige Sicherheitsexperten, eher mager aus.

Christian K. bestreitet aber, er habe die Information seines V-Mann-Führers an die Szene weitergereicht. Obwohl K. mit Sven S. befreundet war, der bei „Blood & Honour“ als Schatzmeister auftrat. Christian K. gibt allerdings zu, er habe im Februar 2001 an Sven S. eine geplante Razzia der Polizei verraten. Die Information habe er von einem V-Mann-Führer mit dem Decknamen „Max“ erhalten.

Damit bestätigt er den schon lange schwelenden Verdacht, Brandenburgs Verfassungsschutz habe Ermittlungen behindert. Was Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hartnäckig bestreitet. Seit Wochen sagt der Minister, eine Affäre sehe er nicht.

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