Politik : Versagte der Aufsichtsrat bei Daimler?

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Berlin Der Rücktritt des Vorstandschefs von Daimler-Chrysler, Jürgen Schrempp, hat in der SPD erneut eine Debatte um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland ausgelöst. „An Schrempps Abgang zeigt sich die Notwendigkeit der Kapitalismus-Diskussion“, sagte am Freitag SPD-Fraktionsvize Michael Müller dem Tagesspiegel. „Ohne Not“ hätten Manager wie Schrempp das traditionelle deutsche Wirtschaftssystem dem amerikanischen, auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Shareholder-Value-Prinzip preisgegeben, statt seine Überlegenheit zu beweisen, sagte Müller weiter.

Der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Axel von Werder warf dem Daimler- Aufsichtsrat fehlende Kontrolle vor: „Ein Unternehmen mit einem gut funktionierenden Management hätte früher die Konsequenzen ziehen müssen.“

Im Zusammenhang mit Schrempps überraschendem Verzicht auf eine Abfindung nährte der Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Grässlin im „Deutschlandradio“ Gerüchte um persönliche Rücktrittsgründe. Er glaube nicht, dass Schrempp freiwillig auf sein Gehalt bis 2008 verzichte, sagte Grässlin, im Herbst werde „eine dicke Bombe platzen“. DaimlerChrysler leitete wegen der Vorwürfe gegen Schrempp rechtliche Schritte gegen Grässlin, sowie den Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger ein. Der Konzern wehre sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Verbreitung von Falschaussagen, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Sprecher der IG-Metall-Bezirksleitung Baden-Württemberg hatte zuvor gesagt, seine Gewerkschaft verfüge „über keinerlei Anhaltspunkte, dass an solchen Spekulationen etwas dran ist“. Im Umfeld Schrempps hieß es, ein Fehlverhalten seinerseits sei völlig unvorstellbar. Tsp

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