Verschleppte Ingrid Betancourt : Lebenszeichen aus dem Dschungel

Vor fünf Jahren wurde die kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt entführt. Jetzt gibt es nach längerer Zeit wieder ein Lebenszeichen von ihr - ein Video.

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Die Geisel Ingrid Betancourt auf einem Video. -Foto: dpa

Bogotá/ParisDie kolumbianische Regierung präsentierte am Donnerstagabend ein Video, auf dem Betancourt zu sehen ist. Sie wirkt abgemagert und sitzt still auf einer schmalen Holzbank in einem Dschungelcamp.

Das Video ist nach Angaben der Regierung bei einem Einsatz gegen die Rebellen der Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) sichergestellt worden. Die Armee des Landes nahm drei Rebellen fest, bei denen sie insgesamt fünf Videobänder mit Beweisen fand, dass 16 Geiseln am Leben sind. Kolumbiens Friedenshochkommissar Luis Carlos Restrepo sagte, die Aufnahmen von Betancourt stammten vom 24. Oktober. Andere Aufnahmen zeigen demnach gefangengehaltene kolumbianische Polizisten, Politiker, Soldaten und drei US-Bürger.

Laut Restrepo sollen Kopien der Videobänder an die Regierungen Frankreichs und der USA geschickt werden. Außerdem plant die Regierung, sie zu veröffentlichen und den Familien der Geiseln zu übergeben.

Hoffnung und Besorgnis

In Frankreich äußerte sich Präsident Nicolas Sarkozy "glücklich" über dieses "erste Lebenszeichen" seit Jahren. Elysée-Sprecher David Martinon sprach von einer "großen Neuigkeit". Ingrid Betancourt, die neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, war am 23. Februar 2002 im Präsidentschaftswahlkampf in einem von der FARC kontrollierten Gebiet 600 Kilometer südlich von Bogotá entführt worden. Es gab in den vergangenen Jahren nur sehr wenige konkrete Lebenszeichen von ihr.

Der erste Mann Betancourts, der Franzose Fabrice Delloye, zeigte sich im kolumbianischen Radiosender Caracol besorgt über den Gesundheitszustand der zweifachen Mutter. "Sie sah so mager aus, mit einem so traurigen Blick, dass es meinen Kindern wehgetan hat." Das Video belege, dass nun schnell gehandelt werden müsse, "weil sie so mager und dünn nicht mehr sehr lange durchalten kann". (smz/dpa/AFP)

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