Politik : Verschlungene Pfade

Stephan-Andreas Casdorff

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ja, die Politik findet manchmal verschlungene Pfade, um zum Ziel zu gelangen. Da gibt es in CDU und CSU einige, die denken, Wolfgang Schäuble, lange Jahre Kanzler im Konjunktiv, hätte es verdient, einmal wirklich die Nummer eins zu sein. Nach Lage der Dinge kann das jetzt nur heißen: Bundespräsident zu werden. Die Zahl derer, die das finden, steigt in der Union beinahe täglich. Stoiber, Koch, Wulff, Müller haben sich schon geäußert, und sie gehören zur ersten Garde.

Derweil sammeln sich in der SPD Kräfte, die einer Kandidatur Schäubles als Bundespräsident nicht ganz ablehnend gegenüberstehen. Erwogen wird dies auch aus taktischen Gründen: Die SPD könnte darauf verzichten, allzu großen Widerstand gegen Schäuble zu mobilisieren, wenn sich umgekehrt Fraktions- und CDU-Chefin Angela Merkel zu Entgegenkommen bei den Reformen entschließt. Diese Überlegung fußt darauf, dass auch in der Union, voran bei den Ministerpräsidenten aus den neuen Bundesländern, Reformen und in diesem Sinne Zusammenarbeit als dringend notwendig erachtet werden. Abgesehen davon, dass es einige in der SPD gibt, die Schäuble wegen seiner intellektuellen Kapazität für geeignet halten: Wenn doch die Macht des Amts in der Kraft der Worte liegt …

Fehlt noch das Wort von zweien aus der ersten Garde der Union: Helmut Kohl und Angela Merkel. Auf verschlungenen Pfaden wird das vielleicht auch noch zu erreichen sein.

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