Politik : "Versehentliche" Angriffe auf die Zivilbevölkerung

Mit der Bombardierung einer Brücke, bei der vermutlich Dutzende von Zivilisten getötet worden sind, hat die NATO am Wochenende bereits zum wiederholten Mal eingeräumt, fälschlicherweise Zivilisten im Kosovo-Krieg angegriffen und getötet zu haben.Nach serbischen Angaben, die das Bündnis nicht bestätigte, starben dabei bislang mindestens 227 Zivilisten.Das Verteidigungsbündnis wertete diese Zwischenfälle als relativ geringfügig angesichts des Umfangs der NATO-Angriffe in Jugoslawien.Im folgenden dokumentieren wir die sechs folgenschwersten, von der NATO als "Versehen" bezeichneten Zwischenfälle seit Beginn der Angriffe am 24.März.



5.APRIL



Eine lasergesteuerte 250-Kilo-Bombe schlägt in einem Wohngebiet in der Stadt Aleksinac rund 200 Kilometer südlich von Belgrad ein und tötet nach jugoslawischen Angaben insgesamt 17 Menschen.Ursprünglich galt die Bombe den dortigen Kasernen.Das US-Verteidigungsministerium räumt am Tag darauf ein, daß die von einer US-Maschine abgefeuerte Bombe ihr Ziel verfehlt hat.



9.APRIL



Die NATO bestätigt den Beschuß von Wohngebieten rund um eine Telefonzentrale in der Kosovo-Provinzhauptstadt Pristina.Sie räumt die Möglichkeit ziviler Opfer ein, aber weder die Allianz noch die Serben nennen Zahlen.



12.APRIL



NATO-Raketen treffen auf einer Brücke in Grdelicka Klisura im Süden Serbiens einen Eisenbahnzug.Nach Informationen aus Belgrad sterben dabei 55 Zivilisten.Der Oberkommandierende der NATO-Streitkräfte in Europa, US-General Wesley Clark, spricht von einem "bedauerlichen" Zwischenfall.Die beschossene Brücke sei eine der Versorgungslinien für die jugoslawischen Sicherheitskräfte und für die serbische Armee im Kosovo gewesen, argumentiert man bei der NATO.



14.APRIL



Die NATO bombardiert Flüchtlingskonvois in dem Gebiet Djacovica im Südwesten des Kosovo, wobei nach Angaben aus Belgrad 75 Zivilisten sterben.Die NATO gibt zu, zwei Konvois getroffen zu haben, äußert sich aber nicht zu möglichen zivilen Opfern.Der Angriff habe Militärfahrzeugen gegolten, heißt es im NATO-Hauptquartier.Es handelt sich um den bislang folgenschwersten Zwischenfall von NATO-Seite, sowohl was die Zahl der mutmaßlichen Opfer betrifft, als auch angesichts der Tatsache, daß es sich um Flüchtlinge handelt, die sich von der Allianz beschützt glaubten.



28.APRIL



Die Allianz zielt auf eine Kaserne der jugoslawischen Armee in der serbische Stadt Surdulica rund 250 Kilometer südlich von Belgrad.Die Angreifer verfehlen jedoch ihr Zahl und bombardieren statt dessen ein Wohngebiet.Nach serbischen Angaben sterben dabei etwa 20 Zivilisten.Die NATO bekennt offiziell, daß sie möglicherweise "aus Versehen" den Tod von Zivilisten verschuldet hat.



1.MAI



Die NATO bombardiert eine Brücke in Luzane im Kosovo rund 20 Kilometer nördlich von Pristina, während ein Bus mit Zivilisten darüberfährt.Serbischen Quellen zufolge sterben mindestens 60 Menschen, Belgrad spricht von einem "Massaker".Die NATO gibt die Bombardierung am Tag darauf zu.Sie bestätigt zunächst jedoch nicht die Zahl der Todesopfer.Ein AFP-Korrespondent, der vor Ort ist, sieht 23 Leichen.

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