Politik : Versöhnung auf dem Fußballfeld: Griechenland und Türkei gehen wieder aufeinander zu

Gerd Höhler

Der Ouzo, den man dem türkischen Außenminister Ismail Cem am vergangenen Samstag im New Yorker Restaurant Avra reichte, schmeckte nicht viel anders als türkischer Raki. Auch in der Küche des griechischen Lokals entdeckte Cem vertraute Köstlichkeiten. Keftédes etwa, jene Fleischbällchen, die man in der Türkei als Köfte kennt oder Lukúmi, das von den Türken Lokma genannte Sirup-Gebäck. Cems Athener Amtskollege Jorgos Papandreou hatte den Türken ins Restaurant Avra eingeladen, um Gemeinsamkeiten jenseits der Speisekarte zu sondieren. Und einen neuen Anlauf zur Verbesserung des bilateralen Verhältnisses zu wagen.

Cem war es, der in den vergangenen Wochen mit Vorwürfen wegen angeblicher griechischer Menschenrechtsverletzungen und Demokratie-Defizite in Athen für Irritationen gesorgt hatte. Diese Verstimmung ist offenbar überwunden. Ende September sollen die politischen Direktoren der beiden Außenministerien zusammentreffen, um über ein Paket vertrauensbildender Maßnahmen zu sprechen.

Zum Abbau der militärischen Konfrontation hat die Türkei eine Liste von Vorschlägen unterbreitet, die aber bisher in Athen größtenteils auf Ablehnung stoßen. So wollen die Griechen von gemeinsamen griechisch-türkischen Manövern in der Ägäis ebenso wenig wissen wie von dem türkischen Vorschlag, die Kampfflugzeuge beider Luftwaffen über der Ägäis künftig nur noch unbewaffnet fliegen zu lassen. Darin sieht man in Athen eine Einschränkung der eigenen Hoheitsrechte. Offener ist man für die Reduzierung der Militärmanöver in der Ägäis oder die geplante Einrichtung eines "heißen Drahtes" zwischen der griechischen und der türkischen Küstenwache.

Er sehe die deutsche-französische Zusammenarbeit als Vorbild für die Annäherung mit der Türkei, sagte Außenminister Papandreou in New York. Mit Cem will Papandreou in vier Wochen auf der griechischen Insel Rhodos und im gegenüber gelegenen türkischen Marmaris wieder zusammentreffen. Dort wollen Cem und Papandreou auch ihr jüngstes Lieblingsprojekt beraten: eine gemeinsame Bewerbung beider Länder um die Ausrichtung der Fußball-EM 2008.

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