VERSORGUNG : Kampf mit der Bürokratie

36 Bundeswehrsoldaten sind bisher „durch Fremdeinwirkung“ in Einsätzen getötet worden, wie es auf der Homepage des Verteidigungsministeriums heißt. Viele weitere wurden verletzt oder traumatisiert. Besonders für Zeitsoldaten hatte dies oft existenzielle Folgen, denn wer nicht mehr diensttauglich war, musste bis vor wenigen Jahren die Bundeswehr verlassen. Erst Ende 2011 – zehn Jahre nach dem Beginn des Afghanistaneinsatzes – wurden die Entschädigungs- und Versorgungsansprüche von Zeitsoldaten mit dem sogenannten Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz denen von Berufssoldaten angepasst. Bis dahin waren selbst die Angehörigen gefallener Zeitsoldaten schlechtergestellt als jene von Berufssoldaten. Traumatisierte Soldaten beklagen, dass sie ihre Ansprüche erst nach jahrelangen Gutachterstreitigkeiten geltend machen konnten oder ganz durchs soziale Netz gefallen sind. Eine vom Bundeswehrverband in Auftrag gegebene Umfrage ergab kürzlich, dass die Führungskräfte der Bundeswehr der Auffassung sind, die Neuausrichtung der Truppe gehe zulasten der Soldatinnen und Soldaten. Und: Die Offiziere „fühlen sich von der Politik regelrecht im Stich gelassen“, wie es in der Studie der Universität Chemnitz heißt. Fast 60 Prozent haben demnach sogar überlegt, die Bundeswehr zu verlassen. Erstaunlich, dass die meisten Soldaten dennoch hinter den Einsätzen stehen. Ein Forscherteam des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr dokumentierte 2010, dass gut 70 Prozent des damaligen Einsatzkontingents für die Afghanistanschutztruppe Isaf ihren Auftrag für sinnvoll hielten. Weniger als 30 Prozent suchten im Einsatz Spannung oder Abenteuer. Kein schlechtes Zeugnis für den Staatsbürger in Uniform. uls

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