Politik : Verspätungen im zivilen Luftverkehr

ANJA KÜHNE

BERLIN .Der Krieg im Kosovo beeinträchtigt die zivile Luftfahrt in Europa: Seitdem der Luftraum über dem Balkan gesperrt ist, fliegen Maschinen, die sonst diese Luftstraßen benutzen, auf Umwegen ans Ziel."Verspätungen sind deshalb unvermeidbar", sagte eine Sprecherin der europäischen Flugsicherheit Eurocontrol am Montag dem Tagesspiegel.Welche Strecken davon betroffen sind, lasse sich allerdings nicht im einzelnen vorhersagen.Dies liegt vor allem daran, daß selbst Linien, die den Balkan normalerweise gar nicht überqueren, indirekt berührt sein können: Nämlich dann, wenn dafür Flugzeuge eingesetzt werden, die zuvor auf einer der umgeleiteten Routen unterwegs waren.Das bedeutet, daß es auch auf Inlandsflügen zu Verspätungen kommen kann.So berichtete ein Tagesspiegel-Leser, sein Flugzeug von Frankfurt am Main nach Berlin sei am Sonntag abend mit vierzigminütiger Verspätung abgeflogen, was die Lufthansa mit der Sperrung des Luftraums über Jugoslawien begründet habe.

Der Sprecher des Flughafens, Wolfgang Schwalm, bestätigte, daß es seit Donnerstag wegen der Kosovo-Krise zu "vereinzelten Verzögerungen" auch im innerdeutschen Flugverkehr gekommen sei."Trotzdem läuft alles weitgehend reibungslos, mein Eindruck ist soweit sehr gut", sagte Schwalm.Ohnehin verliefen normalerweise von den täglich 1200 Flügen nach und aus Frankfurt "nur einige wenige" über den jetzt gesperrten Luftraum.Hunderte von Verzögerungen habe es auf dem Flughafen dagegen seit dem vorigen Wochenende wegen Bauarbeiten auf der südlichen Landebahn gegeben, wo das Instrumentenlandesystem erneuert wird.Seit Donnerstag gebe es aber ein besseres Ersatzleitsystem, so daß die Probleme behoben seien.

"Von Pech oder Glück" ist es nach Ansicht des Sprechers der Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern, im wesentlichen abhängig, ob man als Passagier ein verspätetes Flugzeug erwischt und um wieviel Stunden es sich verspätet.Grundsätzlich dauern Flüge nach Griechenland, in die Türkei, nach Ägypten, Jordanien oder in die Golfstaaten wegen der Umleitungen über Jugoslawien, Albanien und Bosnien-Herzegowina zwischen 20 und 40 Minuten länger.Die Verspätungen könnten aber bis zu zwei oder drei Stunden betragen, wenn die Kapazität im übrigen Luftraum nicht reicht.Ob Platz für eine Maschine ist, könne auch von den Wetterbedingungen abhängen.Im Oster-Reiseverkehr kann es nach Fongerns Ansicht durch die längeren Flugzeiten zusätzlich zu Personal-Engpässen kommen.Die Besatzungen dürfen nicht länger als 12 bis 14 Stunden im Einsatz sein.Schlimmstenfalls müßten Flüge gestrichen werden.Diesen "GAU" erwarte er jedoch nicht.

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