verstärktes Engagement : Lutherische Christen wollen sich für Aids-Kranke einsetzen

Die Vollversammlung des christlichen Weltbundes beschließt in Stuttgart, sich gegen die Marginalisierung von Aidskranken zu engagieren. Ob die Beschlüsse jedoch von den Mitgliedskirchen als bindend angesehen werden, ist unklar.

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Ein stärkeres Engagement im Kampf gegen den Klimawandel und für Aids-Kranke in Afrika haben die Mitglieder der elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes gefordert. Die Tagung des Weltbundes ist am Dienstag in Stuttgart zu Ende gegangen.

Die über 400 Delegierten aus 145 Kirchen, die mehr als 70 Millionen lutherische Christen weltweit vertraten, forderten in ihrer Schlussbotschaft die Regierungen weltweit auf, sich stärker für die Behandlung von Aids-Kranken zu engagieren. Auch die Kirchen seien aufgefordert, „das Bewusstsein für die Krankheit zu stärken, gegen Stigmatisierung und Marginalisierung zu kämpfen und die Integration der HIV-positiven Menschen in Kirche und Gesellschaft zu gewährleisten.“ Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise sprachen sich die Lutheraner ferner dafür aus, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern und eine gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel zu erreichen.

Ob und wie die Beschlüsse der LWB-Vollversammlung tatsächlich umgesetzt werden, steht freilich auf einem anderen Blatt. Während der Stuttgarter Tagung hatte etwa der scheidende Generalsekretär Ishmael Noko darauf hingewiesen, dass sich der LWB immer öfter vor die Frage gestellt sehe, „ob und in welchem Umfang die Beschlüsse der Vollversammlung von den Mitgliedskirchen moralisch als bindend“ angesehen werden. Ausgeblieben jedenfalls ist in Stuttgart der von vielen Beobachtern befürchtete Bruch zwischen den Kirchen in Europa und jenen auf dem schwarzen Kontinent, die zum Beispiel Homosexualität drastisch unterschiedlich sehen.

Die Tagung habe gezeigt, dass die Einheit zwischen den Lutherischen Kirchen weltweit wachse, sagte der scheidende Präsident des Weltbundes, Mark S. Hanson, am Dienstag in Stuttgart. Sich dafür weiter zu engagieren, wird eine der wichtigsten Aufgaben seines Nachfolgers, des palästinensischen Bischofs Munib Younan, und des neuen Generalsekretärs Martin Junge aus Chile werden. Ihre Amtszeit hat mit dem Schlussgottesdienst der Vollversammlung begonnen.

In den nächsten Jahren bis 2017 steht für den Weltbund auch die Vorbereitung des 500-jährigen Jubiläums von Martin Luthers Wittenberger Thesenanschlag 1517 auf der Agenda. Junge hatte dazu in Stuttgart bereits angekündigt,er werde sich dafür einsetzen, dass das Jubiläum in „ökumenischer Offenheit“ begangen werde.

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