Politik : „Verstehen Sie wirklich die Konsequenzen?“

Ein Buch des Starjournalisten Bob Woodward enthüllt: Bush plante Irakkrieg schon seit 2001, Außenminister Powell warnte bis zuletzt

Malte Lehming

Washington. US-Präsident George W. Bush hat bereits im November 2001 mit den Planungen für den Irakkrieg begonnen. Das geht aus einem neuen Buch des „Washington-Post“-Korrespondenten Bob Woodward hervor. Demnach soll Bush am 21. November 2001, nur 72 Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld damit beauftragt haben, einen aktuellen Invasionsplan zu entwerfen. Ab dem 28. Dezember 2001 traf er sich regelmäßig mit General Tommy Franks, um die Pläne zu besprechen. Die Entscheidung zum Krieg sei dann endgültig im Januar 2003 gefallen. Noch im März 2003 hatte Bush öffentlich behauptet, noch keine Entscheidung über eine Invasion getroffen zu haben.

Das neue Buch von Woodward mit dem Titel „Plan of Attack“ erscheint in den USA erst in den kommenden Tagen. Exzerpte und Zusammenfassungen standen jedoch schon am Sonnabend in mehreren amerikanischen Zeitungen. Allgemein wird damit gerechnet, dass die Enthüllungen des seit dem Watergate-Skandal bekannten Starjournalisten die politische Tagesordnung der nächsten Wochen beherrschen werden. Für seine Recherchen hat Woodward mehrstündige Interviews mit Bush und Rumsfeld geführt. Insgesamt seien 75 Akteure der Regierung befragt worden, heißt es.

Spektakulär dürften insbesondere die Passagen über Außenminister Colin Powell, Vizepräsident Dick Cheney und CIA-Direktor George Tenet sein. Powell etwa soll Bush wiederholt vor einem Irakkrieg gewarnt haben. „Sie werden der stolze Besitzer von 25 Millionen Menschen sein“, sagte Powell demnach, leicht ironisch, zum Präsidenten. „Sie werden all ihre Hoffnungen, Erwartungen und Probleme besitzen. All das gehört dann ihnen.“ Noch am 13. Januar 2003 fragte er Bush: „Verstehen Sie wirklich die Konsequenzen?“ Der Präsident jedoch habe in dieser Beziehung offenbar mehr auf Cheney gehört, der von Woodward als die treibende Kraft hinter dem Krieg beschrieben wird.

Cheney und seine Verbündeten – Chefberater Lewis Libby, Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und Cheneys Staatssekretär Douglas Feith – sollen eine Art Separatregierung geführt haben, um den Krieg voranzutreiben. Für Powell war Cheneys Fixierung auf Saddam Hussein mit einem „Fieber“ vergleichbar gewesen. Tenet soll absolut überzeugt gewesen sein, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge. „Wie sicher sind Sie?“, fragte Bush den Geheimdienstchef am 21. Dezember 2002. „Keine Angst“, entgegnete dieser laut Woodwards Buch, „das ist ein Selbstläufer."

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