Versuchte Anschläge : Mutmaßlicher Bombenleger ist Libanese

Der bei einem Polizeieinsatz gefasste Verdächtige im Fall der Bombenfunde in Regionalbahnen nahe Koblenz und Dortmund stammt aus dem Libanon und studierte in Kiel. Er soll am Sonntag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Karlsruhe - Die Identität von einem der beiden mutmaßlichen Bombenleger bei der Bahn ist offenbar geklärt. Wie Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe mitteilte, handelt es sich bei dem am Morgen in Kiel festgenommenem Mann um den um einen dort lebenden 21-jährigen Studenten libanesischer Herkunft. Es habe Hinweise darauf gegeben, dass der Student mit den Vornamen Youssef Mohammed sich noch in der Nacht zum Samstag aus Kiel absetzen wollte. Nach ersten Erkenntnissen sei er einer der beiden Männer, nach denen seit Freitag mit Hilfe von veröffentlichten Videoaufzeichnungen gefahndet werde.

Die Identifizierung erfolgte auch mittels DNA-Spuren aus den Ende Juli sichergestellten Bombentrolleys, die laut Harms von dem Beschuldigten stammen. Zudem habe sie ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Identität des Beschuldigten zweifelsfrei zu klären.

Kieler Hauptbahnhof für mehrere Stunden gesperrt

Zur Art der in der Nacht zum Samstag eingegangenen Hinweisen, die zur Festnahme am frühen Samstagmorgen gegen 3.53 Uhr führten, wollte die Generalbundesanwältin mit Hinweis auf laufende Ermittlungsmaßnahmen keine weiteren Angaben machen. Am Sonntag soll der Tatverdächtige voraussichtlich gegen 15.00 Uhr dem zuständigen Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt werden.

Er war laut Bundesanwaltschaft im Dezember 2004 nach Deutschland eingereist. Weil er am Samstagmorgen einen Koffer bei sich hatte, habe der Kieler Hauptbahnhof für mehrere Stunden gesperrt werden müssen. Man habe davon ausgehen müssen, dass sich in dem Koffer gefährliche Gegenstände befinden.

Gruppe von Tätern am Werk

Rainer Griesbaum von der Bundesanwaltschaft verwies darauf, dass auch die in den aufgefundenen Koffern sichergestellten Gegenstände auf Verbindungen zum Libanon hinwiesen. Er ging zudem davon aus, dass das konspirative Zusammenwirken mit dem zweiten Tatverdächtigen dafür sprächen, dass hier eine Gruppe von Tätern am Werk gewesen sei und damit auch die Tatmerkmale Mitglied in einer terroristischen Vereinigung zuträfen.

Nach dem zweiten Tatverdächtigen wird nach Angaben der Bundesanwaltschaft weiter gefahndet. Seine Identität ist weiterhin ungeklärt.

Merkel lobt Behörden

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen erleichtert auf die Festnahme eines der mutmaßlichen Bahn-Bombenleger reagiert. Merkel wertete die Festnahme als großen Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin mitteilte. Sie habe zugleich die "ausgezeichnete und professionelle Zusammenarbeit aller deutschen Sicherheitsbehörden" gelobt, die "umsichtig agiert" hätten.

Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) forderte angesichts der jüngsten Entwicklungen, die Diskussion um die Anti-Terror-Datei "schnell zu versachlichen und politisch nicht zu zerreden". Auch die Diskussion um Videoüberwachung in Deutschland müsse "weniger emotional und mehr sachlich geführt werden". (tso/ddp/AFP)

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