Politik : Verteidiger: Mzoudi war in Terrorplan nicht eingeweiht Anwälte fordern Freispruch

und kritisieren Washington

Frank Jansen

Hamburg. Die Verteidigung fasste sich kurz: Nur knapp 80 Minuten waren nötig, um im Prozess gegen den Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi auf Freispruch zu plädieren. Die 31-tägige Beweisaufnahme habe nicht mehr ergeben, als dass Mzoudi zum Kreis um den späteren Selbstmordpiloten Mohammed Atta gehörte und in Afghanistan war, sagte Anwältin Gül Pinar am Donnerstag vor dem dritten Strafsenat des Hamburger Oberlandesgerichts. Die dem Marokkaner von der Bundesanwaltschaft vorgeworfenen Handlungen nannte Pinar „neutral“. Die Anklage wirft Mzoudi vor, er habe von Hamburg aus unter anderem mit kleineren Geldtransfers, die Vorbereitung der Anschläge des 11. September 2001 unterstützt und sei damit der Beihilfe zu 3189-fachem Mord schuldig. Vergangene Woche beantragte die Bundesanwaltschaft in ihrem mehrstündigen Plädoyer, wie berichtet, für Mzoudi 15 Jahre Haft.

Pinar kritisierte die amerikanische Regierung. Diese habe das Gericht bei der Suche nach der Wahrheit eher behindert als unterstützt. In dem Prozess durften die von den US-Behörden an unbekannten Orten festgehaltenen Chefplaner des 11. September, Ramzi Binalshibh und Khaled Scheich Mohammed, nicht aussagen. Die beiden hätten bekunden können, „dass Mzoudi von den Attentätern bewusst im Unklaren gelassen worden ist“, sagte Pinar. Am kommenden Donnerstag wird der Strafsenat das Urteil verkünden.

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