Politik : Verteidigung bezweifelt die Identität des Getöteten

fan

Der "Hetzjagd-Prozess" steht möglicherweise vor einem abrupten Ende. Mehrere Verteidiger haben am gestrigen, 16. Verhandlungstag einen Antrag ans Landgericht Cottbus gestellt, in dem die Identität des am 13. Februar in Guben verbluteten Algeriers Farid Guendoul alias Omar Ben Noui bestritten wird. Die Kopie eines algerischen Passfotos zeige einen anderen Mann als den, der auf dem Lichtbild der Aufenthaltsgestattung der Ausländerbehörde zu sehen ist. Folglich müssten der Mutter und dem Bruder von Farid Guendoul die Zulassung als Nebenkläger entzogen werden. Da die deutschen Anwälte von Mutter und Bruder Guendouls an der Hauptverhandlung von Beginn an teilgenommen haben, wäre bei einem Erfolg des Antrags der gesamte Prozess neu aufzurollen.

Die 3. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Joachim Dönitz hat nun zunächst die Hauptverhandlung für eine Woche unterbrochen. Der Antrag hat das Klima des Prozesses weiter belastet. Im Namen ihrer Kollegin, die den Bruder von Farid Guendoul vertritt, sagte Anwältin Christina Clemm, sie sei "erschüttert über diese Anstandslosigkeit". Der eigens aus Algerien angereiste Bruder von Guendoul habe die ersten zwei Tage des Prozesses verfolgt. Nun zu behaupten, der Tote sei nicht sein Angehöriger, "ist ziemlich dreist". Für die antragstellenden Verteidiger gab Rechtsanwalt Olaf Wernicke zurück, "es wäre eine mittlere Justizkatastrophe", sollte die Identität des in Guben ums Leben gekommenen Mannes nicht mit der von Farid Guendoul übereinstimmen.

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