Verteidigung : Polen und USA bauen Raketenschild auf

Allen russischen Protesten und Drohungen zum Trotz: Die USA wollen bis 2015 in Polen Abfangraketen gegen mögliche Angriffe von sogenannten Schurkenstaaten wie Iran stationieren. Polens Präsident Kaczynski glaubt, damit auch Europa einen Dienst zu erweisen.

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Condoleezza Rice und Lech Kaczynski -Foto: AFP

Warschau US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihr polnischer Kollege Radoslaw Sikorski haben am Mittwoch das Abkommen über die Stationierung eines US-Raketenschilds in Polen unterzeichnet. An der feierlichen Zeremonie in Warschau nahmen auch Polens Staatspräsident Lech Kaczynski und Regierungschef Donald Tusk teil.

Das Abkommen sieht den Aufbau eines US-Stützpunkts mit zehn Abfangraketen im Norden des Landes vor. Eine Radarstation in Tschechien soll die Daten für einen Abschuss fremder Raketen liefern. Das gesamte System soll ab 2015 einsatzfähig sein. Im Gegenzug verpflichten sich die USA, Polen Luftabwehrraketen vom Typ Patriot zur Verfügung zu stellen. Geplant sind ferner US-Finanzhilfen für die polnischen Streitkräfte.

Syrien bietet Russland Hilfe an

"Polen und die USA werden sicherer sein", sagte Tusk mit Blick auf eine polnisch-amerikanische Erklärung über strategische Partnerschaft. Darin verpflichten sich die USA, die Sicherheit Polens und der US-Anlagen auf seinem Territorium zu gewährleisten. Kaczynski hält die Vertiefung des Bündnisses zwischen Polen und Amerika auch für Europa für notwendig. Die westliche Welt müsse ihre Werte verteidigen. Rice betonte, der Raketenschild sei rein defensiv und gegen niemanden gerichtet. Das System gebe eine Antwort auf Bedrohungen des 21. Jahrhunderts.

Der Aufbau des Raketenschildes wird vor allem von russischer Seite kritisiert. Zwar betonen die USA, dass das System möglichen Angriffen aus Iran oder anderen Staaten in Nahost und dem arabischen Raum vorbeugen soll. Moskau empfindet die Abfangraketen dennoch als Bedrohung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs entstehen in Europa östlich der Oder zwei US-Stützpunkte mit mehreren hundert Soldaten.

Die russische Militärführung hatte Warschau bereits gedroht, Polen mache sich mit dem Raketenschild "selbst zum Ziel". Russland erwägt als Antwort auf das US-System die Verlegung von Kampfjets und Raketen nach Weißrussland. Auch Syriens Präsident Baschar al-Assad sagte der russischen Zeitung "Kommersant" am Mittwoch, sein Land sei bereit, russische Abwehrraketen als Reaktion auf den US-Raketenschild zu stationieren. (sf/dpa)

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