Verteidigungsminister Perez : Zwischen allen Stühlen

Es sind schwierige Tage für Amir Perez. Der israelische Verteidigungsminister galt einst als Taube in der israelischen Politikerriege. Nun ist er für die Großoffensive im Gazastreifen verantwortlich.

Jerusalem - Die nicht enden wollenden Raketenangriffe radikaler Palästinenser auf Israel, vor allem aber die Entführung eines israelischen Soldaten am 25. Juni zwangen Perez, der gleichzeitig Chef der Arbeitspartei ist, zu einer harten Antwort. In der Nacht zum 28. Juni startete die israelische Armee im Gazastreifen eine Großoffensive, für die Perez verantwortlich zeichnet.

Der in Marokko geborene Sohn eines Fabrikarbeiters war der erste sephardische Jude, der es im vergangenen November an die Spitze der traditionsreichen Arbeitspartei schaffte. Als Sohn eines Fabrikarbeiters wuchs er in Sderot an der Grenze zum Gazastreifen in einer Unterkunft für Einwanderer auf, bevor er 1983 Bürgermeister der öden Steppenstadt wurde.

Auch in anderer Hinsicht entsprach der Gewerkschafter mit dem graumelierten Schnurrbart nicht den in der israelischen Politik üblichen Konventionen. Perez, der seinen Militärdienst bei den Fallschirmjägern ableistete, ist einer der wenigen Verteidigungsminister in der Geschichte des Landes, der zuvor kein Führungsamt bei Armee oder Geheimdienst innehatte. Viele konservative Kritiker warfen ihm deswegen systematisch eine zu weiche Haltung gegenüber den radikalen Palästinensern vor.

Ursprünglich kompromissbereit mit Palästinensern

Tatsächlich traf sich Perez als erster wichtiger israelischer Politiker nach dem Wahlsieg der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Anders als Regierungschef Ehud Olmert von der Kadima-Partei ist Perez ein Gegner eigenmächtiger israelischer Entscheidungen im Nahost-Konflikt. Israels Tragödie sei es zu glauben, "alles zu wissen, selbst, was für die Palästinenser gut ist". Tatsächlich müssten Sicherheitsmaßnahmen durch politische Initiativen ergänzt werden, findet der Mitte-Links-Politiker.

Von dieser dialog-orientierten Haltung gegenüber den Palästinensern ist seit der Übernahme des Ministeramtes nicht mehr viel zu spüren. Perez sitzt zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite bauen radikale Palästinenser weiter auf Gewalt und beschießen mit Vorliebe Perez' Heimatstadt Sderot in Südisrael mit Raketen - zuletzt ging nur wenige Steinwürfe vom Haus des Ministers ein Geschoss nieder. Auf der anderen Seite fordern die israelischen Generäle von Perez ein hartes Durchgreifen.

Und auch das israelische Volk will endlich Aktionen sehen, wie der Kolumnist der liberalen Tageszeitung "Haaretz", Akiva Eldar, vor zwei Wochen bemerkte. "Wenn Perez nicht handelt, dann wird er als schwach angesehen und das würde das Ende seiner politischen Karriere bedeuten." Perez tue sein Bestes, um zivile Opfer bei den israelischen Militäraktionen zu vermeiden, versicherten seine Berater in den ersten Wochen nach dem Amtsantritt. Inwieweit dieses Versprechen nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit noch gilt, ist offen. (Von Patrick Anidjar, AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben