• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Vertriebenen-Chefin in Polen : Warschau ignoriert Erika Steinbach

22.05.2011 23:08 Uhrvon
Erika Steinbach ist in Polen nicht wirklich beliebt. Foto: dpaBild vergrößern
Erika Steinbach ist in Polen nicht wirklich beliebt. - Foto: dpa

Während der zweitägigen Reise als Menschenrechtsbeauftragte der CDU-Bundestagsfraktion gibt es für die Vorsitzende des Bundes deutscher Vertriebener praktisch keine Gelegenheit zu umstrittenen öffentlichen Ansprachen.

Warschau - Schweigen ist Gold. Dies haben sich die Polen anlässlich des jüngsten Besuches der umstrittenen Vorsitzenden des Bundes deutscher Vertriebener (BdV) Erika Steinbach vorgenommen. „Wenn sich Steinbach nicht unstatthaft gegenüber den Polen benimmt, nehmen wir keine Stellung und demonstrieren nicht“, versprach der Abgeordnete der rechtsnationalen Kaczynski-Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), Andrzej Jaworski. „Sie will doch nur viel Schaum schlagen, um ihre Wähler in Deutschland zu mobilisieren“, kommentiert Elzbieta Rogala-Konczak, Bürgermeisterin von Rumia, das mediale Aufheben um die Reise in Deutschland.

Steinbach, die am Sonntagabend mit Vertretern der deutschen Minderheit in Gdansk (Danzig) zusammentraf, will an diesem Montag erstmals seit dem Kriegsende ihren Geburtsort Rumia besuchen.

Die deutsche Vertriebenenchefin wurde dort 1943 als Tochter eines deutschen Besatzungsoffiziers aus Hanau geboren. Zwei Jahre später floh sie mit ihrer Mutter vor der Roten Armee. Mit dieser Biografie gilt sie in Polen als besonders unglaubwürdige Vertreterin der deutschen Heimatvertriebenen. „Sie kam auf Koffern und reiste kurz darauf auf Koffern wieder ab“, sagt Rogala-Konczak. Bei der Flucht hätten ihr die Polen geholfen, betont sie.

Die Bürgermeisterin von Rumia hatte vor dem Steinbach-Besuch, der offiziell privaten Charakter haben soll, einen gemeinsamen Stadtspaziergang abgelehnt und Steinbach stattdessen den Besuch auf dem örtlichen Friedhof vorgeschlagen. Dort liegen polnische Soldaten, die bei Hitlers Überfall auf Polen 1939 bei der Küstenverteidigung getötet worden sind. Steinbach lehnte ab. In Gdynia (Gdingen) verbot ihr der Redomptoristenorden eine geplante Kranzniederlegung für die Opfer der am Kriegsende versenkten Schiffe „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“. Tausende deutscher Zivilisten kamen dabei ums Leben.

Anlässe zu umstrittenen öffentlichen Ansprachen gibt es damit während der zweitägigen Reise als Menschenrechtsbeauftragte der CDU-Bundestagsfraktion praktisch keine mehr. Die rechtsliberale polnische Regierung äußerte sich zu der Steinbach-Reise mit keinem Wort. Selbst die national-konservative Opposition gab sich sehr zurückhaltend. Am Samstag demonstrierten lediglich 20 Sympathisanten der ultra-patriotischen „Liga für die Verteidigung der Souveränität“ vor dem deutschen Konsulat in Danzig. Am Sonntagmittag reiste der deutsche Konsul mit Steinbach in die nahe pommersche Ortschaft Piasnicy, wo die Deutschen ab September 1939 tausende polnische Zivilisten ermordet hatten.

Es ist sechs Uhr morgens und Sie haben die wichtigsten Zeitungen schon gelesen. Oder die Tagesspiegel Morgenlage. Redaktionsschluss fünf Uhr morgens. Minuten später auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Computer. Die kostenlose Nachrichten- und Presseschau gibt es für Politik-Entscheider oder Wirtschafts-Entscheider. Entscheiden Sie sich für eine oder beide.
Folgen Sie unserer Politikredaktion auf Twitter:

Dagmar Dehmer:


Andrea Dernbach:


Cordula Eubel:


Fabian Leber:


Matthias Meisner:


Elisa Simantke:


Christian Tretbar:


Claudia von Salzen:

Umfrage

Die EU hat beschlossen, bis 2030 den Energieverbrauch um 30% zu reduzieren? Reicht Ihnen das als Energiesparziel?

Tagesspiegel twittert

Service

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen

Todesopfer rechter Gewalt

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz