Vertriebenen-Chefin : Steinbach bedauert Kritik an Bartoszewski

Erika Steinbach steht unter Druck. Erst die Äußerungen zur Mobilmachung Polens vor dem Krieg, dann die Anfeindung gegen den Deutschland-Beauftragten Bartoszewski. Letzteres nimmt sie nun zurück.

Erika Steinbach.
Erika Steinbach.Foto: dapd

Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach hat ihre Kritik am Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung zurückgenommen. "Ich bedaure meine Äußerungen über Herrn (Wladislaw) Bartoszewski, die in Polen und Deutschland für so viel Aufsehen gesorgt haben, und ziehe sie zurück", sagte sie der "Bild am Sonntag". Die CDU-Politikerin hatte Bartoszewski einen "schlechten Charakter" vorgeworfen und damit in beiden Ländern scharfe Reaktionen ausgelöst.

Ihren Angriff auf den 88-jährigen früheren polnischen Außenminister begründete Steinbach mit aufgestauten Emotionen: "Oft wurde ich in den letzten Jahren gefragt, warum ich mich gegen seine Angriffe nicht wehre. Die Tatsache, dass Bartoszewski ein besonders schlimmes Schicksal unter den Nationalsozialisten erlitten hat und seine Leistungen für das deutsch-polnische Miteinander ließ mich alles hinnehmen. In der vorigen Woche hat sich das bei mir - eher ungewollt - Luft verschafft. Das war aus vielerlei Gründen verkehrt."

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen forderte zugleich Bartoszewski auf, sein Verhalten zu überdenken: "Auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass Wladislaw Bartoszewski in stiller Stunde all das überdenkt, was er zu meiner Person in den letzten Jahren gesagt hat." Steinbach war wegen ihrer Äußerungen am Freitag weiter unter Druck geraten. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte die CDU-Bundestagsabgeordnete zum Verzicht auf ihr Mandat auf. Steinbachs abfällige Äußerungen über Bartoszewski seien eine "Widerlichkeit" und ein "Skandal, wie ich ihn in internationalen Beziehungen sonst nur von Rechtsradikalen kenne", sagte Beck.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte zur Mäßigung im Umgang mit Polen. Das Verhältnis beider Länder sei "immer noch empfindlich". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht jedoch keine Gefahr einer neuen diplomatischen Krise mit dem Nachbarland: Zwischen beiden Ländern herrsche ein sehr "freundliches, freundschaftliches, gutes Verhältnis, das durch Einzeläußerungen mit Sicherheit nicht ernsthaft zu trüben ist", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bedauerte die CDU-Vorsitzende Merkel, dass Steinbach den CDU-Vorstand verlassen will. Sie trat dem von Steinbach vermittelten Eindruck entgegen, man dürfe in der CDU seine Meinung nicht frei äußern.

"Jedes Mitglied kann sich mit seiner Persönlichkeit in unserer Partei voll entfalten." Steinbach hatte ihre Rückzugsankündigung auch mit mangelndem Rückhalt in der Partei begründet. Zuvor war sie bereits mit Äußerungen über die polnische Mobilmachung vor dem Zweiten Weltkrieg in der CDU unter Druck geraten. (dpa)

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