Vertriebenen-Dokumentationszentrum : Historiker aus Polen verlässt Stiftung

Der polnische Historiker Tomasz Szarota verzichtet auf seine Mitarbeit an dem wissenschaftlichen Beraterkreis der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Berlin - Ein Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bestätigte damit einen Bericht der polnischen Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Seine Entscheidung sei endgültig, zitierte das Blatt den renommierten Wissenschaftler.

Der 69-jährige Spezialist für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges war der einzige polnische Vertreter im Beirat, der vom früheren bayerischen Kultusminister Hans Maier (78) geleitet wird. Dem Beraterkreis, der an der Konzeption für das in Berlin geplante Vertriebenen-Dokumentationszentrum mitwirken soll, gehören neun Mitglieder an, darunter auch drei ausländische Experten aus Polen, Tschechien und Ungarn.

Hintergrund des Rückzugs ist nach Informationen dieser Zeitung ein Brief mehrerer CDU-Europaabgeordneter an Außenminister Guido Westerwelle (FDP). In dem Brief forderten die Unionspolitiker, die persönlichen Hintergründe von polnischen „Beiratsmitgliedern“ untersuchen zu lassen. Es müsse geprüft werden, ob diese wegen „Aktivitäten oder Äußerungen aufgefallen seien, die dem Ansehen der Stiftung schaden könnten“. Zwar stimmt an dem Brief praktisch nichts – Szarota ist kein Beiratsmitglied, sondern lediglich in einem beratendem Historikergremium tätig, zudem ist er dort der einzige Pole. Der Wissenschaftler, dessen Vater von deutschen Besatzungstruppen wenige Wochen vor seiner Geburt ermordet wurde, wollte sich aber offenbar nicht auf das Niveau einer innenpolitischen Schlammschlacht hinabbegeben. SB

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