Vertriebenen-Präsidentin : Steinbach beleidigt polnischen Deutschland-Beauftragten

Wladyslaw Bartoszewski habe einen schlechten Charakter, sagte Erika Steinbach in einem Fernseh-Interview. Der ehemalige polnische Außenminister und einstige Häftling im Konzentrationslager Auschwitz reagierte mit Humor.

Der Druck auf Erika Steinbach wird nach mehreren umstrittenen Äußerungen größer.
Der Druck auf Erika Steinbach wird nach mehreren umstrittenen Äußerungen größer.Foto: dapd

Mit einer abfälligen Bemerkung über den Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, hat Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach neuen Streit ausgelöst. Die CDU-Bundestagsabgeordnete sagte am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“: „Bartoszewski hat einen schlechten Charakter.

Das sage ich ohne Wenn und Aber.“ Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm den ehemaligen polnischen Außenminister daraufhin in Schutz. Er schätze Bartoszewski als „ehrenwerte Persönlichkeit mit einer großen Lebensleistung für die deutsch-polnische Aussöhnung“. Der heute 88-Jährige war einst Häftling im Konzentrationslager Auschwitz.

Steinbach gilt in ihrer Funktion als Vertriebenen-Präsidentin und wegen ihres Einsatzes für ein Zentrum gegen Vertreibungen seit langem als Reizfigur in Polen. Sie war zuletzt mit Äußerungen über die polnische Mobilmachung vor dem Zweiten Weltkrieg in der CDU unter Druck geraten. Steinbach hatte daraufhin angekündigt, bei der Vorstandswahl im November nicht mehr zu kandidieren.

Ihre Äußerung über Bartoszewski begründete sie mit „persönlichen Erfahrungen, die dahinterstecken“. Sie habe sich mit Äußerungen zu diesem Mann „sehr lange auch wirklich zurückgehalten“. „Ich habe Bartoszewski sehr bewundert. Ich habe ihm Briefe geschrieben, herzliche Briefe, vor Jahren“, sagte Steinbach. Sie habe „nie eine Antwort erhalten, aber Reaktionen öffentlicher Art. Daraus kann man einiges schließen.“

Wladyslaw Bartoszewski hat auf die Angriffe Steinbachs mit Humor reagiert. Er wisse die Meinung von 41 Millionen deutschen Frauen, darunter (Ex- Bundestagspräsidentin) Rita Süssmuth, sehr zu schätzen - die Ansichten Steinbachs seien ihm aber egal, sagte Bartoszewski in Warschau. (dpa)

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