Vertriebenen-Stiftung : Gundula Bavendamm als neue Direktorin im Gespräch

Die Chefin des Berliner Alliiertenmuseums soll die geplante Dokumentationsstätte gegen Vertreibung voranbringen. Ein kleines Porträt

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Gundula Bavendamm im Alliierten-Museum.
Gundula Bavendamm im Alliierten-Museum.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sie hat das Alliiertenmuseum in Dahlem aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Nun soll Gundula Bavendamm das entkernte Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof von Schutt und Staub befreien und dort die Einrichtung der Dokumentationsstätte gegen Vertreibung vorantreiben.

Wenn alles gut geht, wird die 50-jährige Historikerin und Kulturmanagerin am 22. Februar zur Vorsitzenden der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ berufen und könnte ihre neue Aufgabe zum 1. April übernehmen.

Bavendamm wird diplomatisches Geschick brauchen

Für das Spitzenamt braucht es nicht nur historische Fachkompetenz, sondern auch Führungsstärke und diplomatisches Geschick. Denn die Pläne für die Dokumentationsstätte waren von Anfang an politisch umstritten. Die Direktorin wird vermutlich auch in Zukunft zwischen unterschiedlichen Vorstellungen des Stiftungsrats und des wissenschaftlichen Beirats vermitteln müssen. Der letzte Direktor musste 2014 gehen, sein 2015 gewählter Nachfolger sagte kurz vor Amtsantritt nach internen Differenzen ab. Bavendamm ist die einzige Kandidatin von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die dem Stiftungsrat vorsteht.

Seit 2010 leitet Gundula Bavendamm das Alliiertenmuseum und hat dem Haus mit Sonderausstellungen ein erkennbares Profil gegeben. Sie gilt als ehrgeizig und durchsetzungsfähig. „Sie versteht ihr Handwerk, sie ist tough, aber nicht ruppig“, sagen Kollegen.

Sie hat das Alliiertenmuseum profiliert

Bavendamm ist die Tochter des Journalisten und Historikers Dirk Bavendamm und in Reinbek bei Hamburg aufgewachsen. Sie studierte Geschichte in Freiburg und veröffentlichte 2001 ihre Doktorarbeit über den Ersten Weltkrieg. Im Anschluss arbeitete sie an der Ausstellung „Der erste Weltkrieg. Ereignis und Erinnerung“ des Deutschen Historischen Museums in Berlin mit. 2005 machte sie sich als Kuratorin in Frankfurt am Main selbstständig und konzipierte unter anderem eine Ausstellung über Amerikaner in Hessen. Mit der Geschichte der Vertreibung hatte sie bisher nur indirekt zu tun.

Die Kulturmanagerin gilt als durchsetzungsfähig

Die Gedenkstätte soll an das Schicksal von Millionen Menschen erinnern, die im 20. Jahrhundert aus politischen, nationalistischen oder rassistischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Im Mittelpunkt stehen die bis zu 14 Millionen Deutschen aus Ostmitteleuropa, die aufgrund des Zweiten Weltkriegs nach Westen flüchteten. Bavendamm ist mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel verheiratet.

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