Politik : Verursacher sitzt mit am Tisch

Wolfgang Drechsler

Kapstadt - Willkommen ist er nicht, erscheinen darf er trotzdem. So wollen es die Regeln von UN-Gipfeln: Robert Mugabe, der vom Westen geächtete Diktator Simbabwes, ist trotz aller gegen ihn verhängten westlichen Sanktionen zum UN-Ernährungsgipfel nach Rom gereist. Dabei hat Mugabe mit der gewaltsamen Vertreibung von über 4000 hochproduktiven weißen Großfarmern aus seinem Land exemplarisch gezeigt, wie eng Rassismus, Machtgier, Demokratieverlust und Hunger verwoben sind. Wegen seiner selbstzerstörerischen Politik sind gegenwärtig vier Millionen der insgesamt rund zwölf Millionen Simbabwer von Lebensmittelhilfen abhängig. Der frühere Brotkorb des Kontinents ist zum Notstandsgebiet geworden. Kein Wunder, dass Großbritannien und Australien die Präsenz des 84-jährigen Despoten als „obszön“ gegeißelt haben. Australiens Außenminister Stephen Smith nannte Mugabe sogar ganz offen „denjenigen, der sein Volk in den Hunger geführt hat“.

Wo der Staat wie in Simbabwe ausschließlich der Bereicherung der Elite dient und zwangsläufig kollabiert, gibt es keine Instandhaltung von Straßen oder Gleisen. Seine schwarzen Kleinbauern, die wie fast überall in Afrika überwiegend für den Eigenbedarf produzieren, können ihre geringen Überschüsse deshalb nur in der direkten Nachbarschaft verkaufen. Schon deshalb klingt die Forderung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach einer sofortigen Aufgabe aller Handelsrestriktionen und Subventionen ein wenig hilflos. Denn sie allein werden nach Expertenangaben das Problem kaum lösen, solange Afrikas Regime nicht die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu zählen ein funktionierender Rechtsstaat, Zugang zu Krediten für Bauern, Bildung, freier Wettbewerb – aber auch eine neue Geisteshaltung der Landwirte, die sich vielfach eher als Angestellte, denn als Unternehmer sehen. Wolfgang Drechsler

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