Verurteilung des Kofferbombers : "Ein Blutbad von ungeheurem Ausmaß geplant"

Mit zwei ausgestreckten Mittelfingern verlässt der Kofferbomber von Köln den Gerichtssaal, nachdem er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die Richter waren überzeugt: Nie stand Deutschland einem islamistischen Anschlag näher als bei seiner Tat.

Frank Christiansen[dpa]
Der "Kofferbomber von Köln", Youssef El Hajdib
Der "Kofferbomber von Köln", Youssef El Hajdib. -Foto: dpa

DüsseldorfDer selbst ernannte "Gotteskrieger" verabschiedete sich mit einer ganz weltlichen Geste: Zwei ausgestreckte Mittelfinger reckte er am Dienstag den Kameras der verhassten "Ungläubigen" im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts entgegen. Das Gericht verurteilte Youssef Al Hajdib wegen vielfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft. Der 24-Jährige habe "ein Blutbad von ungeheurem Ausmaß" geplant und sei der islamistische Drahtzieher und Anstifter einer "zutiefst terroristischen Tat", unterstrich das Gericht.

Im beigen Kapuzenpulli verfolgte der vollbärtige Libanese die Urteilsbegründung scheinbar ungerührt. Die islamistischen Anschläge auf deutsche Regionalzüge seien nur durch einen Irrtum gescheitert, befand das Gericht und verwarf damit die Verteidigerversion von bloßen Bombenattrappen in Bausch und Bogen. Beide Bombenleger "waren überzeugt, eine möglichst große Zahl von Menschen töten zu können". Um die Qualen ihrer Opfer und die Brandverletzungen zu verstärken, hätten sie den Gasflaschen noch ein Benzin-Diesel-Gemisch und Speisestärke hinzugefügt.

Richter Ottmar Breidling gab einen verstörenden Einblick in die dunkle Gedankenwelt des 24-jährigen Libanesen: Er habe Osama bin Laden und den Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi verehrt, der im Irak eigenhändig Geiseln enthauptet hat. Videos von Enthauptungen und Anschlägen auf US-Soldaten hätten ihn begeistert, während sich seine Bekannten voller Ekel abwandten. Vom Tod Sarkawis sei der Kofferbomber "zutiefst betroffen" gewesen.

In Deutschland unwohl gefühlt

In Gedichten habe der Student seine "Begeisterung für den globalen Dschihad" kundgetan: "Unser Krieg gegen euch wird euch zermalmen. Blitze werden euch treffen", textete der Mann, der in Deutschland Elektronik und Mechatronik studieren wollte. "Er teilte die Ideologie der Terror-Organisation Al Qaida", so Richter Breidling. In seinen radikalen Ansichten sei er als jüngstes von 13 Kindern bereits in seiner Familie bestärkt worden. Auf dem Dach seines Elternhauses weht die schwarze Fahne der Fundamentalisten. Aber in Deutschland, wo er sich unwohl gefühlt habe, habe sich seine Einstellung weiter radikalisiert.

Die Mohammed-Karikaturen seien schließlich der Anlass gewesen, an der verhassten westlichen Welt Rache zu nehmen. Mit Fatwas, Gutachten islamischer Gelehrter, habe er bei seinem Komplizen Jihad Hamad eine regelrechte Gehirnwäsche betrieben, um ihn schließlich davon zu überzeugen, dass Anschläge auf "Ungläubige" die Pflicht jeden Moslems seien.

Nur die hohen Sicherheitsvorkehrungen hätten die beiden Libanesen davon abgehalten, einen Anschlag auf ein Stadion während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu verüben. Schließlich entschied man sich für Personenzüge wie schon die islamistischen Attentäter in Madrid und London.

"Gott wird dich dafür eines Tages vielleicht belohnen."

Al Hajdib hatte zugegeben, am 31. Juli 2006 mit seinem Komplizen Jihad Hamad zwei Kofferbomben im Kölner Hauptbahnhof in zwei Zügen deponiert zu haben. Die Regionalzüge fuhren nach Hamm und Koblenz und trugen den Terror in die deutsche Provinz. Die Zünder lösten um 14 Uhr 30 kurz vor den Ziel-Bahnhöfen aus: Die Bomben detonierten aber nicht, weil in den Gasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch war.

Bei einer Explosion, das ergaben Tests, wäre ein 15 Meter großer Feuerball durch die Großraumabteile der Waggons gefegt. Nie habe Deutschland "einem islamistischen Anschlag näher gestanden", befand nach der Bundesanwaltschaft am Dienstag auch das Gericht. Als 13. Kind seiner Familie trug Youssef El Hajdib während der Tat das Trikot von Fußball-Nationalelf-Kapitän Michael Ballack mit der Nummer 13. Mit dem Flugzeug türmte er zunächst in den Libanon, wo ihn ein Bruder für die Tat lobte: "Gott wird dich dafür eines Tages vielleicht belohnen." Später kehrte er nach Deutschland zurück - und wurde festgenommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar