Politik : Verwirrend

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wie bunt ist unsere Welt eigentlich? Gibt es in einer komplizierten Wirklichkeit Zwischentöne, oder lässt sich unsere komplizierte Gegenwart in Gut und Böse, Licht und Dunkel einteilen? Egal: Die zugespitzte Unterscheidung zwischen Gewinnern und Verlierern, Aufsteigern und Absteigern, zwischen Helden und Schurken ist allemal interessanter als langwierige, skrupulöse Abwägungen.

Diese alte Erkenntnis haben auch die Gestalter des Internet-Auftritts der CDU-Fraktion berücksichtigt und deshalb Rubriken mit den Titeln „Good News“ und „Bad News“ eingerichtet. Unter der Überschrift „Bad News“ verbreitet die Union dort auch einen Text über die SPD-Abgeordnete Gesine Multhaupt, die offenbar vor einer Woche die Berliner Polizei verwirrt hat. Laut dem Zeitungsbericht, den die Union genüsslich zitiert, geriet die Parlamentarierin in Streit mit einem Taxifahrer, weigerte sich nach langem Hickhack, die Droschke zu verlassen, und gab später der Polizei seltsame Anweisungen: Man solle ihr Handy reparieren, ein anderes Taxi und einen Krankenwagen rufen. Ein Gespräch mit dem Revierleiter, das sie selbst verlangt hatte, schlug die Abgeordnete aus.

Aber was ist daran eine schlechte Nachricht? Leicht verwirrte politische Gegner sind, wenn man sich schon auf dieser Ebene mit ihnen auseinander setzen will, eigentlich doch ein Geschenk. Aber auf der Unions-Website sind ohnehin die Maßstäbe durcheinander geraten. Die anderen Meldungen in der „Bad-News“-Rubrik lauten: „Kieler SPD zerstritten“ oder „Klose kritisiert Schröders Irak-Politik“. Bescheidene Frage: Sind das für die Union wirklich schlechte Nachrichten?

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