Politik : Verwirrung um nordkoreanische Rakete

Start offenbar wegen schlechten Wetters verschoben / Fehlalarm in Japan ausgelöst

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Abgeschottet. Das isolierte Regime in Phnom Pen – hier eine Grenzanlage zu China – fühlt sich bedroht und will mit Raketenstarts...

Seoul/Tokio - Nordkorea hält die Welt mit seinem angekündigten Raketenstart weiter in Atem. Ein von dem kommunistischen Land genanntes Startfenster von 4 Uhr bis 9 Uhr MESZ blieb am Samstag ungenutzt. Die japanische Regierung musste sich am selben Tag für die Verbreitung einer falschen Information entschuldigen, wonach der international umstrittene Raketenstart bereits erfolgt sei. Nordkorea hatte am frühen Morgen über die staatlich kontrollierten Medien angekündigt, „bald“ einen Satellitenstart zu unternehmen. Die Vorbereitungen für den Aufstieg einer Trägerrakete des Typs Unha2 – nach Ansicht von Fachleuten eine Langstreckenrakete – zum Transport eines „experimentellen Kommunikationssatelliten“ seien abgeschlossen.

Japan sorgte mit der Falschinformation für erhebliche Verwirrung. Medien des Landes sprachen von einem „peinlichen“ Vorgang, der die Schwächen des Sicherheitswarnsystems bloßgelegt habe. Um 12 Uhr 16 Ortszeit benachrichtigte die Zentralregierung in Tokio die Öffentlichkeit über ihr Informationssystem Em-Net: „Nordkorea scheint einen Flugkörper gestartet zu haben“. Die Nachricht wurde von lokalen Behörden per Radio und Mobilfunk an die Bevölkerung weitergegeben. Fünf Minuten später korrigierte die Regierung ihre Angaben wieder. Es habe sich um einen Fehler gehandelt. Ein Radar des Verteidigungsministeriums habe die „Spur eines Objekts“ registriert, was als Information über einen Raketenstart kommuniziert worden sei, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. In Japan, dessen Norden die Rakete planmäßig überfliegen soll, wurde der Start mit Sorge erwartet. Die Regierung hatte zur Beruhigung der Bevölkerung selbst mitten in Tokio eine Abfangrakete aufstellen lassen. Nordkorea hatte bereits 1998 – damals unangekündigt – eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweggeschossen, von der Teile in den Pazifik stürzten.

Die Wetterbedingungen an der Startrampe an der Ostküste Nordkoreas seien wahrscheinlich nicht günstig gewesen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul. Der Staatssender in Nordkorea hatte laut Yonhap relativ starke Winde über dem Ostmeer (Japanisches Meer) vorausgesagt. Dem Wetteramt in Südkorea zufolge ist für diesen Sonntag mit besseren Wetterverhältnissen in der betroffenen Region zu rechnen.

Nordkorea hatte vor mehr als drei Wochen angekündigt, zwischen Samstag und kommendem Mittwoch einen Fernmeldesatelliten in die Erdumlaufbahn schicken zu wollen. Aus Sicht der USA, Südkoreas und Japans will Nordkorea jedoch unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts die Technologie für eine militärische Langstreckenrakete erproben. Die drei Länder haben in das Japanische Meer Kriegsschiffe mit dem Aegis-Radar- und Raketenabwehrsystem verlegt, um den Raketenstart zu verfolgen. Auch Russland, das ebenfalls vor dem Raketenstar warnte, hat am Samstag seine Luftwaffe in Kampfbereitschaft versetzt, teilte die Agentur Interfax mit.

Japans Außenminister Hirofumi Nakasone forderte am Samstag, dass im Fall eines Raketenstarts vom Weltsicherheitsrat eine „entschlossene Antwort und starke Botschaft“ an das Regime in Pjöngjang ausgehen sollte. „Ein solcher Start wäre ein klarer Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.“ Der Rat hatte Nordkorea nach einem Nukleartest im Oktober 2006 dazu aufgerufen, weitere Atomversuche und Tests von ballistischen Raketen zu unterlassen.

Die USA erklärten, die Tür zum Dialog mit Pjöngjang offenhalten zu wollen. Sobald sich „der Wirbel um die Rakete etwas gelegt hat“, müssten die Sechs-Parteien-Gespräche über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms fortgesetzt werden, sagte der Sonderbeauftragte der USA für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth, am Freitag in Washington. Diese Gespräche unter Teilnahme Nord- und Südkoreas, der USA, Chinas, Russlands und Japans hätten „langfristig Priorität“.

Unterdessen hat der frühere US-Präsidentschaftskandidat John McCain, der zur einer einwöchigen Asienreise aufbricht, China aufgefordert, mehr Einfluss auf das kommunistische Land auszuüben. dpa/AFP

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