Politik : Verwirrung um US-Flugzeug in Niederlanden

Rolf Brockschmidt

Berlin - Die Umkehr eines US-Passagierflugzeuges am Mittwoch kurz nach dem Start in Amsterdam hat nach einer ersten Stellungnahme des niederländischen Justizministers Jan Hein Donner vermutlich keinen terroristischen Hintergrund. Das meldete die niederländische Nachrichtenagentur ANP am Donnerstag.

Wie bereits berichtet, hatte der amerikanische Pilot der DC-10-Maschine der US-Gesellschaft Northwest nach Hinweisen des Kabinenpersonals über verdächtiges Verhalten einer Gruppe von Männern die deutsche Flugsicherung gebeten, nach Amsterdam Schiphol zurückkehren zu dürfen. Von der niederländischen Grenze an wurde das Flugzeug von zwei F-16-Kampfflugzeugen zurück nach Amsterdam begleitet. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten mussten die beiden Maschinen allerdings einen Abstand von fünf Meilen zu dem Passagierflugzeug halten.

Nach der Landung der mit 149 Passagieren besetzten Maschine wurden zwölf Personen von der niederländischen Gendarmerie festgenommen und verhört. Diese Befragung hielt auch gestern bei Redaktionsschluss noch an.

Der dramatische Abbruch des Fluges hatte zu Spekulationen geführt. Die Gendarmerie gab zunächst keine Informationen. Wie die Tageszeitung „de Volkskrant“ berichtete, hatten am Abend Passagiere im Radio und Fernsehen erzählt, dass kurz vor Schließung der Kabinentüren eine Gruppe von zwölf Männern mit Bärten und „moslemischem Äußeren“ in der Business-Class Platz genommen hatte. Nach dem Start habe ein Handy geläutet, was mit Jubel aufgenommen worden sei. Andere Passagiere wollen nach Angaben des Fernsehsenders NOS gesehen haben, wie die Männer Handys ausgetauscht hätten. Die Internet-Ausgabe der niederländischen Tageszeitung „Het Parool“ meldete gestern, dass „Airmarshalls“ eingegriffen hätten, nachdem die Verdächtigen weiter versucht hätten zu telefonieren und die Anweisungen des Personals ignoriert hätten. Daraufhin habe das Personal die zwölf Männer umzingelt.

Die Staatsanwaltschaft macht nach wie vor keine Angaben über Verdachtsmomente. Die Männer können maximal drei Tagen festgehalten werden, spätestens am heutigen Freitag müssen sie einem Richter vorgeführt werden. Wie „de Volkskrant“ meldete, befand sich an Bord auch der amerikanische Fluglehrer Tim Nelson, auf dessen Hinweis hin einst der 20. Attentäter des 11. September 2001 verhaftet worden sei. Nelson habe einer amerikanischen Zeitung telefonisch berichtet, dass es sich wahrscheinlich um ein Missverständnis gehandelt habe zwischen der Besatzung und Menschen, die es nicht gewohnt seien, zu fliegen.

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