Verzicht auf Waffengewalt verlängert : PKK distanziert sich von Anschlag in Istanbul

Die kurdische Rebellenorganisation PKK hat sich entschieden von dem jüngsten Selbstmordanschlag in Istanbul distanziert und zugleich ihren Verzicht auf Waffengewalt um weitere acht Monate verlängert.

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Istanbul - „Wir haben mit dieser Aktion nicht das Geringste zu tun“, erklärte die PKK-Führung am Montag zu dem Anschlag, bei dem am Vortag auf dem Taksim-Platz in Istanbul 32 Menschen verletzt worden waren. Die PKK habe beschlossen, ihre zunächst bis zum 31. Oktober befristete Waffenruhe bis zu den türkischen Parlamentswahlen im Juni zu verlängern.

Mit der Waffenruhe wollten die Rebellen dem Dialog zwischen dem türkischen Staat und dem inhaftierten Rebellenchef Abdullah Öcalan eine Chance geben, hieß es in der von der PKK-nahen Agentur Firat verbreiteten Erklärung. Eine PKK-Verwicklung in einen Anschlag auf Zivilisten sei vor diesem Hintergrund völlig ausgeschlossen.

Mit Spannung war in der Türkei erwartet worden, ob die Rebellen ihren Gewaltverzicht über den 31. Oktober hinaus verlängern – auch deshalb war nach dem Anschlag vom Sonntag die Besorgnis groß gewesen, dass es sich dabei um eine spektakuläre Aufkündigung der Waffenruhe handeln könnte. Die PKK-Führung betonte jedoch, sie wolle zu einer friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts beitragen, werde bis zu den Wahlen nicht mehr militärisch angreifen und grundsätzlich keine Zivilisten mehr schädigen. Nun solle auch die türkische Armee die Rebellen nicht weiter verfolgen, forderte die PKK. Als Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden müssten ferner alle inhaftierten Kurdenpolitiker freigelassen, die Gespräche mit Öcalan zu Verhandlungen aufgewertet und die Zehnprozenthürde bei den Parlamentswahlen abgesenkt werden. Die Parlamentsabgeordnete Aysel Tugluk von der Kurdenpartei BDP wurde am Montag von den Sicherheitsbehörden auf die Gefängnisinsel Imrali gebracht, wo sie mit Öcalan über weitere Schritte zu einer Lösung des Kurdenkonflikts sprechen wollte.

Die Behörden veröffentlichten unterdessen ein Foto des Selbstmordattentäters vom Sonntag, das einen Mann von etwa dreißig Jahren zeigt. Die Ermittler hätten Hinweise auf Täter und Tathintergrund, sagte Innenminister Besir Atalay, wollten aber nichts mitteilen, bis Gewissheit bestehe. Spekuliert wurde über eine Verwicklung der PKK-nahen Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), die schon im Juni zwei Anschläge auf Polizeibusse in Istanbul verübt hatten. Susanne Güsten

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