VICTOR PONTA : Enttäuschung über den Hoffnungsträger

Er ist 39 Jahre alt, cool und selbstbewusst. Weil er gerne Autorennen fährt und eine schöne Frau hat, berichten auch die Klatschspalten über ihn. Rumäniens sozialistischer Ministerpräsident Victor Ponta galt vielen als Hoffnungsträger. Als der Einzige, der seine Sozialisten (PSD) vom Image eines Vereins von korrupten Altkommunisten befreien könne. Sein Sieg bei der Parlamentswahl im Herbst schien sicher, denn die bis Ende April regierenden Bürgerlichen galten wegen eines harten Sparkurses als vorprogrammierte Verlierer. Dieser Imagevorteil Pontas sinkt nun dramatisch. Vor kurzem stellte sich heraus, dass er wahrscheinlich Teile seiner Jura-Doktorarbeit abgeschrieben hat. Ponta will aber weder auf seinen Doktortitel noch auf sein Amt verzichten: „Ich gebe den Kampf, den ich begonnen habe, wegen dieser Angriffe nicht auf. Von Rücktritt ist keine Rede“, verkündete er. Die Prüfkommission sei mit Freunden des Staatspräsidenten Traian Basescu besetzt und habe ihn „im Mafia-Stil exekutieren“ wollen. Sein politischer Erzfeind Basescu verlangte indirekt Pontas Rücktritt. „Ich fordere alle auf, die es in ihrem Beruf zu nichts gebracht haben und ihre politische Karriere mit allen möglichen gestohlenen Titeln schmücken, die Politik zu verlassen“, sagte er. Ponta war erst vor zwei Monaten nach einem parlamentarischen Misstrauensvotum gegen seine bürgerlichen Vorgänger an die Macht gekommen. Seither ordnet er sich – so behaupten seine Kritiker – im Rennfahrertempo die staatlichen Institutionen unter. Pontas politischer Mentor und Doktorvater, Ex-Premier Adrian Nastase (2000 bis 2004), sitzt seit kurzem im Gefängnis, verurteilt wegen illegaler Parteienfinanzierung. Pontas Apparat soll nach Presseberichten versucht haben, Nastase vor dem Gefängnis zu bewahren: Ein Direktor der rumänischen Bauinspektion, die im jahrelangen Nastase- Prozess als Geschädigter aufgetreten war, hatte plötzlich die Anklage zurückgezogen. Auf Druck der Medien entließ Ponta daraufhin diesen Bauinspektor. Zudem haben Ärzte, die offen den Sozialisten nahestehen, Nastase zu Unrecht krankgeschrieben und ihm damit zu einem illegalen Haft-Aufschub verholfen, urteilte das Bukarester Stadtgericht. Manchem Kommentator platzt bereits der Kragen. „Wir haben die hundsgemeinste Regierung und den niederträchtigsten Ministerpräsidenten seit 20 Jahren“, schrieb die liberale Bukarester Tageszeitung „Adevarul“. dpa

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