Politik : Viel besser als ein Luxustäschchen

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Wir müssen uns das Leben eines Stars als lange Reihe einsamer Entscheidungen vorstellen. Star ist man nur, wenn man sich in jedem Detail von der Masse abhebt. Doch wie kann das gelingen, wenn die Handtasche der Zugehfrau, eine Fälschung vom Straßenschwarzmarkt in Rom, mit bloßen Auge nicht vom echten Hermès-Täschchen zu unterscheiden ist, das im Laden in der Via Condotti 17 000 Euro gekostet hat?

Vermutlich waren es solche Überlegungen, die Madonna auf die Idee gebracht haben, statt einer weiteren Tasche in Malawi ein fälschungssicheres Baby zu erstehen. Adoptivkinder-Shopping ist derzeit das Promi-Vergnügen schlechthin, nicht nur, weil diese Kinder hohen Schnuffigkeitsfaktor mit viel Prestige verbinden. Sondern vor allem, weil ihre Anschaffung einst beim Jüngsten Gericht als soziale Großtat angerechnet wird und dort, wie man hört, pro Stück so viel zählt wie die Teilnahme an 375 Wohltätigkeitsgalas. Und das schafft kein Mensch.

Auch im Vergleich zum eigenen Kind hat das adoptierte eine Reihe von Vorzügen. Es macht nicht monatelang dick und depressiv, kein Personal Trainer muss nach der Geburt monatelang an den Pölsterchen der Mutter herumfuhrwerken, und es mäkelt, weil aus einfachsten Verhältnissen stammend, nicht an jedem Kram herum. Gut: Man könnte, statt ein afrikanisches Kind zu importieren, für das gleiche Geld vermutlich auch tausend an Ort und Stelle unterstützen. Aber wie sieht denn das auf den Fotos für die „Bunte“ aus? Drucken die doch gar nicht.

Aber nun geht das Theater schon wieder los. Alle, alle haben ein Adoptivkind, Meg Ryan, Angelina Jolie, Ewan McGregor. Wie hebt man das eigene gebührend heraus? Madonna hat für den kleinen David bei Harrods ein handbemaltes Schaukelpferd bestellt, das laut Presseberichten umgerechnet 7400 Euro kostet. Das liegt erheblich über dem deutschen Schaukelpferd-Index, aber, mein Gott, London ist nun einmal eine der teuersten Städte der Welt. Und diese urwüchsigen afrikanischen Kinder sind so schrecklich empfindlich gegen all das chemische Zeugs in den billigen Plastikschaukelpferden!

Nun kann es allerdings noch passieren, dass die Adoption an irgendwelchen Bedenkenträgern scheitert. Dann kann Madonna das Schaukelpferd immer noch zur Versteigerung freigeben. Das bringt einen Haufen Geld für die Wohltätigkeit. Und noch mehr Gutpunkte fürs Jüngste Gericht.

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