Politik : Viele Bio-Bauern werden wieder normale Landwirte Verbände führen Entwicklung

auf schlechte Konjunktur zurück

Andre Tauber

Berlin. Im laufenden Jahr könnte der prozentuale Zuwachs an Öko-Landwirten in Deutschland einen Wendepunkt erreicht haben. „Ich glaube, dass 2003 die Zuwachsraten stagnieren“, sagte der Abteilungsleiter für Öko-Landbau der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP), Markus Ripien, dem Tagesspiegel. Ab 2004 sei ein Rückgang zu erwarten, wenn sich die Konjunktur nicht verbessere. Einige Bauern würden nach Ablauf mehrjähriger Förderprogramme wieder in die konventionelle Landwirtschaft wechseln. Betroffen seien vor allem Milch- und Fleischproduzenten. Eine für das 2004 erwartete Steigerung der Nachfrage werde den deutschen Bauern aber nicht zwangsweise zugute kommen, sagte Ripien.

Bio-Verbände und der Deutsche Bauernverband bestätigten, dass einzelne Bauern einen Wechsel zurück in die konventionelle Landwirtschaft in Erwägung ziehen. „Uns sind einige Fälle bekannt, in denen die Bauern bereits gewechselt haben“, sagte Ulrike Meinert vom Deutschen Bauernverband dem Tagesspiegel. Bei Bioland ist auch von Einzelfällen die Rede. Die Zahl der wieder umgestellten Betriebe wird allerdings statistisch nicht erfasst. Vor allem Milch- und Fleischproduzenten leiden unter dem aktuellen Preisverfall für Bio-Lebensmittel. Viele Bauern sind gezwungen, ihre Produkte konventionell zu vermarkten. Etwa 30 Prozent der Bio-Milch wird nach Schätzungen der ZMP konventionell verkauft. Vor den problematischen Folgen hatte das Verbraucherministerium bereits im Juli gewarnt. Vor allem ostdeutsche Großbetriebe seien betroffen. Kleinere Familienbetriebe könnten die aktuelle Situation hingegen länger ertragen.

Die Gründe des Preisverfalls sind vielfältig. Nach ZMP-Informationen wird Öko-Fleisch in nur geringem Maße nachgefragt, der Milchpreis leidet unter dem Rückgang von Exporten sowie unter einer Ausweitung der Produktion. Die Preise für Bio-Getreide werden von vor allem durch ausländische Importe gedrückt. Bislang war der Anteil der ökologischen Landwirtschaft stetig angewachsen. Seit 1995 stieg der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche von 1,6 Prozent auf 3,7 Prozent. Bis 2010 möchte die Bundesregierung einen Anteil von 20 Prozent erreichen.

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