Politik : Viele leben wild, die meisten trauen sich

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Von Cordula Eubel

Im Wahlkampf haben alle Parteien das Thema Familie für sich entdeckt. Mehr finanzielle Unterstützung für Familien, verbesserte Kinderbetreuungsangebote – kein Wahlprogramm kommt noch ohne solche Ankündigungen aus. Das Statistische Bundesamt gibt den Politikern nun Daten an die Hand, die sie für ihre politischen Konzepte berücksichtigen sollten. Fazit: Wer Eltern und Kinder in unserer Gesellschaft unterstützen möchte, darf nicht nur die traditionelle Familie im Blick haben.

Das klassische Ehepaar mit Kindern ist zwar bei den Familien die dominierende Lebensform - 7,7 Millionen solcher Paare gibt es in Deutschland. Dieses Familienmodell musste aber leichte Einbußen hinnehmen. Das zeigt der Mikrozensus 2001 des Statistischen Bundesamtes, in dem rund 820 000 Personen befragt wurden. In den vergangenen zehn Jahren verringerte sich die Zahl der verheirateten Paare mit einem oder mehreren Kindern im Westen leicht um zwei Prozent, im Osten dagegen deutlich um mehr als ein Drittel oder 39 Prozent. Das begründen die Statistiker mit den veränderten Wohn- und Lebenssituationen im Osten. In der DDR habe man früh Kinder bekommen, um eine Wohnung zu erhalten.

Her mit dem Trauschein, sobald ein Kind unterwegs ist? Das erachten immer weniger Paare für notwendig. Die Zahl der Eltern in „wilder Ehe“ mit minderjährigen Kindern stieg zwischen 1996 und 2001 im Westen um 42 Prozent auf 343 000, im Osten um 14 Prozent auf 237 000. Allein erziehend waren im Erhebungsmonat April 2001 rund 1,5 Millionen Mütter und Väter mit insgesamt rund 2,1 Millionen Kindern, knapp ein Zehntel der Bevölkerung. Seit 1996 stieg der Anteil der Eltern, die ein Kind alleine großziehen, damit um 13 Prozent. Im Standardfall sorgen die Mütter für ihre Kinder: 87 Prozent der allein erziehenden Elternteile sind Frauen. Ein „Nischenmodell“ ist das schwule oder lesbische Paar, das ein Kind großzieht. Nur jedes siebte der 50 000 bis 150 000 gleichgeschlechtlichen Paare tut dies

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