Politik : Viele Tote bei Aufruhr in Kabul

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Kabul/Berlin - Nach dem Zusammenstoß eines US-Militärlastwagens mit Zivilfahrzeugen in Kabul ist es am Montag in der afghanischen Hauptstadt zu den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz des Taliban-Regimes gekommen. Nach Angaben eines Sprechers von Präsident Hamid Karsai starben bei dem Unfall sieben Afghanen. Die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok meldete, mindestens 20 Menschen seien bei den anschließenden anti-amerikanischen Ausschreitungen getötet und zahlreiche weitere teils schwer verletzt worden.

Die US-Streitkräfte teilten mit, mindestens aus einem Armeefahrzeug heraus sei nach dem Unfall über die Menge hinweg geschossen worden, als diese begann, sich feindlich zu verhalten. Ein Augenzeuge sagte, die Soldaten hätten in die Menge geschossen. Karsai forderte die US-geführten Koalitionstruppen auf, den Vorfall zu untersuchen. Am Nachmittag beruhigte sich die Lage. Das afghanische Innenministerium verhängte über Kabul eine Ausgangssperre bis Dienstag früh.

Deutsche Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF seien zurzeit weder beteiligt noch betroffen, sagte ein Bundeswehrsprecher. Derzeit sind rund 1500 deutsche Soldaten am Rande Kabuls stationiert. Der Kommandeur des deutschen ISAF-Kontingents, Christof Munzlinger, sieht die Situation ausländischer Truppen trotz der Unruhen nicht als generell verschlechtert an. Um die Lage zu beruhigen, sagte Munzlinger im ZDF-„heute journal“ hätten die ISAF-Schutztruppen ihre Einheiten allerdings in die Camps zurückgezogen. Sie stünden aber in erhöhter Bereitschaft, um bei Bedarf die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen. Unterdessen wurden die schweren Gefechte in Südafghanistan mit einem US-Luftangriff fortgesetzt. Bei dem Bombardement in der Provinz Helmand starben nach afghanischen Angaben mindestens 50 Taliban-Kämpfer.dpa/mue

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