Politik : Viele Tote bei misslungener Rettung

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Genau im Moment ihrer Rettung sind 60 Kilometer vor der Insel Lampedusa am frühen Mittwochmorgen wahrscheinlich bis zu 250 Flüchtlinge ertrunken. Unter ihnen sollen auch zahlreiche Frauen und Kinder gewesen sein. Das in Libyen gestartete und mit wohl rund 300 Eritreern, Somaliern sowie anderen Afrikanern besetzte Boot war bei hohem Wellengang in Seenot geraten. Ein Rettungsschiff hatte es nach ersten Angaben der italienischen Küstenwache zwar geschafft, sich längsseits an das Flüchtlingsboot heranzumanövrieren. Dadurch aber, dass sich zu viele Afrikaner genau in diesem Moment auf diese Seite ihres Bootes bewegt hätten, sei der Kutter gekippt. Alle Flüchtlinge seien dabei über Bord gegangen. Die meisten gelten als vermisst oder wurden tot aus dem Wasser geborgen. Nur etwa 51 konnten nach Angaben der italienischen Behörden bis zum Abend gerettet werden.

Innenminister Roberto Maroni berichtet unterdessen von einer Einigung mit der Regierung in Tunis über die Behandlung tunesischer Einwanderer, von denen dieses Jahr bereits 22 000 übers Meer gekommen sind. Nach Maronis Angaben ist Tunesien bereit, Landsleute ab sofort zurückzunehmen, allerdings nicht in Massenabschiebungen, wie die italienische Regierung sie zuerst geplant hatte, sondern nur in Einheiten zu 50 Personen und ohne laute Siegesrufe Roms vor der Öffentlichkeit. Ferner will Tunis, ausgestattet mit einem italienischen Küstenwachboot, die Kontrollen vor den eigenen Küsten wieder aufnehmen. Angesichts der Schwäche der tunesischen Übergangsregierung und des Vertrags selbst, der lediglich ein „Protokoll“, nicht aber ein zwischenstaatliches Abkommen darstellt, glauben in Italien weder die Medien noch Teile der Regierung selbst an die Wirksamkeit dieser Einigung.

Die Regierung in Rom wiederum will die 22 000 bereits in Italien befindlichen Tunesier mit einer auf sechs Monate befristeten „Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Motiven“ ausstatten. Damit hätten sie nach Auffassung und Absicht des Innenministers die Möglichkeit, frei in andere Länder Europas weiterzureisen. Frankreich, das Hauptzielland der Tunesier, prüft nach Angaben der Tageszeitung „Le Monde“ aber erst noch, ob Italiens Ansicht mit dem europäischen Recht übereinstimmt.

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