Politik : Vier amerikanische Autos überzeugen die Arbeiter nicht

Im Vorwahlkampf der Konservativen trifft Mitt Romney nicht den richtigen Ton, hat aber das meiste Geld.

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Daumen hoch. Zu gern wäre Romney schon der unvermeidliche Sieger. Foto: dpa
Daumen hoch. Zu gern wäre Romney schon der unvermeidliche Sieger. Foto: dpaFoto: dpa

Washington - Behalten die Umfragen recht, wird er an diesem Dienstag abermals der Sieger sein, sowohl in Arizona als auch in Michigan, dem ersten bedeutenden Arbeiterstaat im Vorwahlkalender. Doch Mitt Romney läuft Gefahr, dass seine Siege wie halbe Niederlagen aussehen. Das bedroht seine Gesamtstrategie. Er wollte zu diesem Zeitpunkt als unvermeidlicher Sieger der Kandidatenkür dastehen. Der Super Tuesday am 6. März mit Abstimmungen in zehn Staaten sollte das Bild bestätigen und die konservativen Rivalen von der Hoffnungslosigkeit ihrer Präsidentschaftsträume überzeugen.

In Michigan ist Romney geboren und aufgewachsen. Sein Vater war hier ein populärer Gouverneur und zuvor ein erfolgreicher Automanager. Die Vorwahl hatte sich Romney wie ein Heimspiel vorgestellt, das die Krönung am nächsten Spieltag vorbereitet. Doch die Zweifel an der Basis, ob Romney der richtige Kandidat sei – und ob er wirklich der ist, als der er sich ausgibt –, vermag er selbst mit Erfolgen nicht zum Schweigen zu bringen.

In Michigan ließ sich in den jüngsten Tagen beobachten, warum. Mit seinem Bemühen, möglichst perfekt und überzeugend aufzutreten, stellt Romney sich oft selbst ein Bein. Seine Wählerversammlung in einem Vorort von Detroit zeigte erneut: Romney hat mehr Geld und ist besser organisiert als die Konkurrenz. Seine Helfer bringen Stühle, Poster, Flaggen mit – und spendieren Berliner Pfannkuchen. In seiner Rede erwähnt Romney, wie lecker die geschmeckt haben und sinniert beim Blick auf die Schneeflocken draußen über den Puderzucker darauf. Dumm nur, dass das an die Zuschauer ausgereichte Gebäck gar nicht mit Puderzucker bestreut, sondern bunt glasiert war. Zerstört war der erwünschte Eindruck, der Kandidat sei „einer von uns“ und habe gerade dasselbe Backwerk genossen wie seine potenziellen Wähler.

Weiße Arbeiter sind eine entscheidende Wählergruppe der Republikaner. Romney lässt einfließen, dass er und seine Frau vier Autos amerikanischer Marken fahren. Auch das trennt mehr als es verbindet. Wer kann sich vier Autos leisten? Wenn dann noch Bilder von seinem Auftritt vor nahezu leeren Rängen im Stadion „Ford Field“ hinzukommen, zweifeln Republikaner erst recht an Romneys Authentizität und Erfolgsaussicht.

Solche Erfahrungen erklären, warum auf den erdrutschartigen Sieg in Florida eine Woche später eine unerwartete Dreifachniederlage gegen Santorum in Colorado, Minnesota und Missouri folgte. Prompt rückte Santorum an die Spitze der Umfragen. Mit harten Angriffen und teuren Werbekampagnen in Radio und Fernsehen hat Romney in Michigan Platz eins zurückerobert. So aber kann der innerparteiliche Wettstreit noch lange dauern – und Romney Zeit und Geld kosten, die er lieber für den Kampf gegen Obama hätte. Christoph von Marschall

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