Politik : Vier Bulgaren bei Anschlägen im Irak getötet Attentate in polnischer Zone

Auch sieben Einheimische sterben

Thomas Roser

Warschau. Knapp zwei Wochen nach der Verhaftung von Ex-Diktator Saddam Hussein sind bei einer Serie von Anschlägen unter anderem im zentralirakischen Kerbela am Samstag vier bulgarische Soldaten getötet und mindestens 25 Militärs verletzt worden, davon fünf schwer. Krankenhausmitarbeiter berichteten zudem von sechs getöteten irakischen Polizisten, einem toten Zivilisten und 135 verletzten Irakern. Der verletzte Gouverneur von Kerbela, Akram al Jasseri, sagte, dass entweder eine „Autobombe oder eine Rakete“ explodiert sei. In Kerbela ist eine multinationale Division unter polnischem Kommando stationiert. Polen unterstützt die multinationalen Streitkräfte in Irak mit rund 2500 Soldaten. Bulgarien hat seit August 480 Soldaten im Irak stationiert.

Nach Angaben des Oberbefehlshabers der polnischen Besatzungszone, General Andrzej Tyszkiewicz, explodierten gegen elf Uhr vor zwei Militärbasen und dem Rathaus in Kerbela vier Autobomben. Die Detonationen ereigneten sich einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP zufolge etwa zeitgleich beim Universitätscampus, auf dem sich auch das Hauptquartier der Division und der Gouverneurssitz der Stadt befinden. Vor dem Gouverneursgebäude brannten demnach drei Fahrzeuge vollständig aus. Die Explosionsorte seien etwa zwei Kilometer voneinander entfernt gewesen. Der General sprach von den bisher schwersten Angriffen in der zentralirakischen Besatzungszone: „Die Aktionen wurden zur gleichen Zeit geplant, koordiniert und ausgeführt.“ Polnische Fernsehjournalisten berichteten, dass unter den Verletzten auch zwei polnische Zivilisten seien, die auf der bulgarischen Militärbasis in Kerbela gearbeitet hätten. Irakische Augenzeugen berichteten im polnischen Fernsehen, dass bei dem Anschlag auf das Rathaus viele Studenten der angrenzenden Universität verletzt worden seien. Die Lage in der polnischen Besatzungszone hatte im Vergleich zu anderen Teilen des Landes lange relativ ruhig geschienen. Doch schon im November war der erste polnische Major gestorben, während der Weihnachtsfeiertage waren zwei weitere polnische Soldaten bei einem Angriff in der Stadt Hilla schwer verletzt worden. Hatte zunächst die Mehrheit der Polen die von den USA gewünschte Übernahme einer eigenen Besatzungszone begrüßt, sind inzwischen zwei Drittel der Bevölkerung für den sofortigen Abbruch der Auslandsmission. Während in Polen die Zustimmung für den Einsatz im Irak merklich sinkt, hat die japanische Regierung einen Voraustrupp von 17 Soldaten zur Vorbereitung der ersten japanischen Auslandsmission seit dem Zweiten Weltkrieg nach Kuwait entsandt: Insgesamt sollen 1000 japanische Soldaten beim Wiederaufbau der Wasserversorgung im Süd-Irak helfen.

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