Vier Fragen an Joffe : Was macht die Welt?

Zeit-Herausgeber Josef Joffe hält die Zweistaatenlösung zwischen Palästinensern und Israelis für "scheintot" und die deutsche "Einstaatenlösung" auf gutem Wege.

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Ortstermin bei Josef Joffe.
Ortstermin bei Josef Joffe.Foto: null

Schimon Peres ist tot – die Zweistaatenlösung auch?

Zumindest scheintot. Dass sie noch atmet, zeigt der Kondolenzbesuch des Palästinenser-Präsidenten Abbas, trotz der Hassgesänge in den eigenen Medien. Grundsätzlich: Beide Seiten sehen im Status quo das geringere Risiko. In Israel könnte die Heimholung der Siedler einen Bürgerkrieg entfesseln. Ein Palästinenserchef, der den Frieden unterzeichnet, gewärtigt den Mord – wie der Ägypter Sadat nach dem Sinai-Abkommen. Beide Seiten müssten Abschied von Illusionen nehmen. Die Israelis, weil sie auf Groß- Israel und das ganze Jerusalem verzichten müssten. Die Palästinenser, weil ihr Traum zerplatzen würde, nicht nur Hebron, sondern auch Haifa zu kriegen. Was vernünftig ist – der Verzicht – wird weder hüben noch drüben akzeptiert.

Hillary Clinton gewinnt das erste TV-Duell gegen Donald Trump: Wird alles gut?

Trump bemüht sich nach Kräften, dass es schlecht für ihn ausgeht. Nun hat er die Miss Universe von 1996 beleidigt. Er hat sie „Miss Piggy“ genannt und ihre Tugend angezweifelt. Da sie aus Venezuela stammt, hat Trump gleich zwei Wählergruppen angerempelt: Hispanics und Frauen. In einer Umfrage bescheinigen zwei Drittel der Frauen Clinton den Sieg in der Debatte. Die Clintonistas jubeln. Das zeige erneut, dass Trumps Charakter ihn als Präsidenten disqualifiziere. Die Debatte könnte der Anfang vom Ende für Trump sein. Aber das hat WmdW schon sehr oft geglaubt, derweil der Gelbschopf immer wieder triumphierte.

26 Jahre Deutsche Einheit: Überwiegt das Trennende oder Gemeinsame?

Der Osten bleibt ärmer und wählt extremer – nach links und nach rechts. Anderseits stehen an der Spitze der Republik zwei Ossis: Gauck und Merkel. Das haben die Bayern 26 Jahre nach der Vereinigung von 1871 unter der preußischen Vormacht nicht geschafft. Sie schaffen es nicht mal heute, den Kanzler zu stellen. Aber sie bauen tolle Autos, und ihr Oktoberfest ist zur Weltmarke avanciert. Also: Politisch ist die Ex-DDR voll im Geschäft; ökonomisch wird es noch dauern, bis Dresden München deklassiert. Immerhin hat der Osten schon jetzt die besseren Autobahnen.

Ein Wort zur Deutschen Bank...

Oh weh! Die DB war einst ein Juwel. Die Älteren unter uns können noch alle Namen der Vorstandschefs runterbeten. Die waren mindestens so groß wie die Kleinen Propheten. Heute ist die Bank das schwarze Schaf der deutschen Familie. Sieben von zehn Befragten sind gegen Staatshilfen. Aber WmdW wettet, dass die DB entschieden weniger als 14 Milliarden Dollar Strafe zahlen muss.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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