Vier Fragen an Josef Joffe : Ahmadinedschad der hochintelligente, böse Clown

Deutschland kämpft, Nordkorea gebiert, China zeigt Muskeln und Barack Obama schätzt Irans Präsidenten falsch ein.

Josef Joffe
Josef Joffe

Deutschland kämpft um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Wozu brauchen wir den?

Dabei sein ist alles; dabei kann man auch mitmischen. Auf jeden Fall ist diese Strategie klüger als die der Regierung Schröder, die auf Deubel komm raus einen permanenten, also veto-bewehrten Sitz zu einer Zeit haben wollte, als sie mit Russland und Frankreich ein Anti-Bush-Bündnis im Irak-Krieg schnürte. Das hat ihm das Weiße Haus nie verziehen. Grundsätzlich: Die fünf Veto-Mächte werden sich bei der Privileg-Verteidigung immer einig sein. Deshalb ist ein Zweite-Klasse-Sitz einfacher zu haben, wiewohl der Rest der Welt dann gegen das Übergewicht Europas anrennen wird. Merkel wird gewiss etwas geschickter agieren, als es weiland Schröder tat.
Nordkorea hat die einzige Dynastie, die der Kommunismus je hervorgebracht hat. Kommt jetzt Kim III.?
Womöglich auf dem Parteitag am 28. September. Kim Jong Un (27) folgt auf den krebskranken Vater Kim Jong Il, der den Tyrannen-Job von Kim Il Sung geerbt hatte. Allerdings hat der Kronprinz nie eine Diktatoren-Schule besucht; seine Leidenschaft gilt dem Basketball. Deshalb ist die Welt so nervös. Was ist, wenn der Kleine dieses gepeinigte Land nicht zusammenhalten kann? Wenn sich die Flüchtlingsströme nach China und Südkorea ergießen und eine Konfrontation zwischen Washington und Peking provozieren? Wünschen wir, so pervers es auch klingt, Kim Senior noch etwas mehr Zeit, damit er eine halbwegs geordnete Nachfolge organisieren kann.

China und Japan sind im Streit um eine Inselgruppe heftig aneinandergeraten. Muss uns Pekings Machtdemonstration Angst machen?
Es ist das klassische Verhaltensmuster aufstrebender Staaten. China sucht die Vorherrschaft über das gesamte Südchinesische Meer und legt sich dabei mit allen Anrainern an. Sein Verhalten gegenüber Tokio war brutal, indem es den diplomatischen Verkehr kappte und vier Japaner verhaftete. Letztendlich geht es gegen den Platzhalter Amerika, der sich nicht ganz so schüchtern verhalten wird wie Japan. Pekings Verhalten war unklug, weil sich die verängstigten asiatischen Nachbarn nun noch mehr an die USA anlehnen.

Ein Wort zu Amerika ...
Ahmadinedschad erzählt, die Amerikaner hätten „9/11“ eingefädelt, und Washington wiederholt sein Gesprächsangebot. Obama hat nicht verstanden, mit wem er es zu tun hat: mit einem hochintelligenten bösen Clown, der die Welt provoziert, um sich als Retter des Vaterlandes zu gebärden. Feindschaft ist sein Lebenselixier; deshalb wird er nie ernsthaft verhandeln.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Bis Jahresende lehrt er an der Stanford-Universität in Kalifornien.

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