• Vier Fragen an Josef Joffe: Den Preis für Zigarren in die Höhe treiben und Dynastien begründen

Vier Fragen an Josef Joffe : Den Preis für Zigarren in die Höhe treiben und Dynastien begründen

Amerika wird mit den Bush und den Clintons doch zu einer Dynastie. Europa ist dank Syriza wieder unterhaltsam. Und können Gipfeltreffen doch die Welt verändern?

Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".Foto: Promo

Ist das Abkommen mit dem Iran gut oder schlecht?
Theoretisch gut, weil es den Marsch zur Bombe verlangsamen und Nachahmer wie die Saudis und Ägypter ruhigstellen könnte. In der Praxis? Erstens ist das „Rahmenwerk“ noch kein Abkommen, das bis zum 30. Juni ausgefeilscht werden muss. Zweitens gibt Iran seine Option nicht auf; es will nur die Mittel reduzieren. Drittens hängt alles von der Tiefe und Breite der Inspektionen ab. Schon hat der Religionsführer Chamenei alle militärischen Anlagen ausgeschlossen, weil das Atomprogramm rein friedlich sei. Bloß würden just dort die Waffen getestet. Er will auch die Sanktionen sofort weg haben. Kann sein, dass solche Sprüche bloß Psychokrieg sind, um bessere Bedingungen herauszuschlagen. Oder der Mann will tatsächlich keine Annäherung. Die nächsten zehn Wochen werden es zeigen.

Obama trifft Castro: Sichert das seinen Platz in den Geschichtsbüchern?

Nur, wenn Gipfeltreffen die Welt verändern können. Die Frage ist, wie weit eine kommunistische Diktatur Richtung Demokratie und Marktwirtschaft gehen kann. China probiert es seit 1978 und bleibt ein Ein-Parteien-Staat. Anderseits braucht Kuba Investitionen, nachdem es die Sozialhilfe aus der Sowjetunion, dann aus Venezuela verloren hat. Aber es ist Zeit, diese Farce nach 54 Jahren Embargo zu beenden – so winzig Kuba, so riesig die Supermacht. WmdW wäre dafür, obwohl der Preis von Havanna-Zigarren himmelwärts schießen wird, wenn die Yanquis sie wieder kaufen dürfen.

Hillary Clinton tritt an: Was für eine Präsidentin wäre sie?

„Wofür steht eigentlich Hillary?“, fragt der „Economist“. Sie ist die Angela Merkel Amerikas. Sie stand mal weit links (im US-Spektrum) und ist seitdem nach rechts gerutscht, derweil M. in die entgegengesetzte Richtung gewandert ist. Sie lässt sich wie Merkel so leicht festnageln wie ein Pudding. In der Außenpolitik wäre H. tougher als Obama. Vor allem würde sie die Blockade der US-Politik beenden, indem sie auf die Republikaner zugeht, die Obama so lustvoll provoziert hat. Womöglich tritt Jeb Bush gegen sie an: Bush III. vs. Clinton II. So wird aus dem urrepublikanischen Amerika vielleicht doch noch eine Dynastie. WmdW freut sich schon auf Tochter Chelsea, Clinton III.

Ein letztes Wort zu Tsipras und Putin …

WmdW liebt Tsipras. Europa ist jetzt viel unterhaltsamer als in den letzten 50 Jahren. „Tsipras goes Moscow“ ist besser als jede deutsche Talkshow. Zu dumm nur, dass Putin fast so pleite ist wie Athen und deshalb nicht den reichen Onkel geben kann. Der Rest ist Polit-Theater. Tspiras weiß, dass nur die EU sein Land retten kann. Putin will die griechische Eisenbahn und den Hafen von Thessaloniki haben. Dann doch lieber die EU anbetteln.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Derzeit lehrt er an der Stanford University.

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