• Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt?: Der Cliffhanger, der es mit jeder US-Serie aufnimmt

Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt? : Der Cliffhanger, der es mit jeder US-Serie aufnimmt

Was macht die Welt? Über Jean-Claude Juncker lachen, von Hillary Clinton lernen – und keine Prognosen wagen.

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Die Bundestagswahl 2017 wird langweilig? Von wegen meint Josef Joffe.
Die Bundestagswahl 2017 wird langweilig? Von wegen meint Josef Joffe.Foto: dpa

Jean-Claude Juncker kann vom Euro nicht genug bekommen. Schafft mehr gleiches Geld mehr Gemeinschaft?

WmdW hat das mal mit seinem kleinen Bruder probiert: „Du gibst mir die Hälfte von deinem Taschengeld, und dann hat jeder ’ne Mark.“ Das gottlose Kind höhnte bloß: „Bitte etwas mehr Fiskaldisziplin und Reformwillen, Bruderherz.“ Man muss Junckers Predigt als humoristische Einlage verstehen. Er will den Euro für alle. Doch passten die jetzigen Euro-Länder von Anfang an nicht zusammen, und Neumitglieder wie Bulgarien oder Rumänien passen so gut wie der Sozialfall Griechenland. Aber die EU braucht Humor in schwierigen Zeiten: England raus, jeder für sich in der Flüchtlingspolitik und ein tiefer Graben zwischen den West- und Osteuropäern. Erheiternd ist auch Junckers Wunsch, wonach alle EU-Staaten in Schengenland (keine Binnengrenzen) aufgehen mögen – dies in einer Zeit, wo alle wieder nationale Grenzkontrollen eingeführt haben.

War Hillarys Buch ihr Abschiedsgruß?

Wieso? Die Frau hat den Sturm aufs Weiße Haus zweimal geprobt. 2008 unterlag sie Obama in den Vorwahlen. 2016 kriegte sie die Nominierung der Demokraten, scheiterte aber gegen Trump. Eine Clinton gibt nie auf, und aller guten Dinge sind drei, also „Hillary in 2020!“ Wenn’s abermals nicht klappt, kriegt sie wenigstens einen siebenstelligen Vorschuss für ein neues Buch. Das jetzige heißt „What Happened“, „Was passiert ist“. Der Titel des nächsten: „Was schon wieder passiert ist.“ 2024 tritt Tochter Chelsea an.

Was sagt das WmdW-Orakel über den Wahlausgang am Sonntag?

WmdW macht keine Voraussagen, und schon gar nicht über die Zukunft. Er weiß nur, dass die Mutti-Partei die stärkste sein wird. Dann geht’s um zwei, drei Prozentpunkte mehr oder weniger für die eine oder andere Kleinpartei, die den Ausschlag geben: Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb oder Jamaika. Wer wie viel kriegt, kann allenfalls der liebe Gott voraussagen, der bekanntlich in alle Herzen und Wahlbriefe blicken kann. Es soll bloß niemand mosern, dies sei die langweiligste Wahl aller Zeiten. Welche Koalition zusammenkommt, ist ein echter Cliffhanger, der es mit jeder US-Serie aufnehmen kann.

Ein erstes Wort zum nächsten Außenminister ...

Wir dürfen nur vermuten, wer es sein will, nämlich Gabriel. KT Guttenberg liebäugelt auch mit dem AA, aber die CSU will Herrmann als Innenminister, und zwei Großministerien kriegen die Seehoferaner nicht. Özdemir will auch, aber das setzt mehr als acht Prozent für die Grünen voraus. Lindner will lieber die Finanzen, aber da steht Schäuble davor. Was macht eine weise Merkel in dem Gewühl? Sie nimmt sich selber das Außenamt – wie Adenauer, der 1951 bis 1955 sein eigener Außenminister war.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Friedhard Teuffel

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