Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Russen werden älter, die Frauen nicht schwanger. "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe beantwortet Fragen zu den aktuellen Themen.

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"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Der Rubel fällt, der Ölpreis auch, wann wird Russland schwach?

Russland IST schwach und just deshalb kompensiert Putin mit einer abenteuerlichen Expansionspolitik. So gewinnt man Terrain, aber keine wahre Macht. Wenn Amerika zum größten Ölproduzenten wird, die Saudis wie wild pumpen und die Weltkonjunktur nicht anspringt, fällt der Preis weiter. In den Neunzigern, dem Jahrzehnt des Niedergangs, lag der inflationsbereinigte Preis bei 27 Dollar, heute liegt er bei 80, 50 Dollar weniger als 2008, als Moskau nach Georgien griff. Putin hat also noch etwas Zeit. Aber sein Land hat außer Energie und Erzen nicht viel zu bieten. Die Großmacht ist und bleibt ein Entwicklungsland mit einer desaströsen Demografie. Die Russen werden immer weniger und älter.

Apple und Facebook bieten ihren Mitarbeiterinnen an, die Kosten des Einfrierens von Eizellen zu übernehmen. Ein unmoralisches Angebot?

Erst „Social Media“, dann „Social Freezing“. Nicht unmoralisch, aber tückisch – eine typisch kapitalistische Verschwörung zur Maximierung des Mehrwerts, der sich aus den Arbeitsbienen herauspressen lässt. Das läuft so: Der nette Boss tut scheinbar Gutes, indem er es den jungen Frauen erlaubt, die Mutterschaft zugunsten der Karriere zu verschieben. Diese greifen erleichtert zu, weil sie in ihrer 70-Stunden-Woche keinen Typen finden, der gefällt oder genehm ist. Die Jahre vergehen, das Fenster der biologischen Gelegenheit schließt sich. Und die Frau bleibt im Gespann bis zur Rente.

Die Drohne „Luna“ friert in der Luft schnell ein. Was funktioniert eigentlich bei der Bundeswehr?

Die Schuldverschiebung. Schuld sind: alle BuVertMin vor Leyen und seit Theo Blank und Franz-Josef Strauß; alle Beschaffungs-Staatssekretäre; alle Rüstungsfirmen; alle Streitkräfte-Chefs, die mit stets neuen Wünschen das jeweilige Programm verteuert und verlängert haben; die Partnerstaaten, die Gleiches verzapft haben; das Parlament, das bei der Aufsicht geschlampt hat. Was sonst noch funktioniert: die Eigeninitiative der Soldaten. WmdW erinnert sich an Offiziere der Fallschirmjäger, die sich ihre Höhenmesser selber gekauft haben. Die sind nicht ganz unwichtig, wenn man im freien Fall die Reißleine selber ziehen muss.

Ein (sicher nicht) letztes Wort zum IS ...

Warum der Luftkrieg gegen IS so schlecht läuft? Weil es ein viertelherziger ist. Vergleichen wir. In den 43 Tagen des Bombardements während „Desert Storm“ (gegen Saddam 1991), flog die Koalition knapp 50 000 Einsätze – rund 11 000 pro Tag. Im zweiten Irakkrieg waren es 800. In Serbien (1999) waren es immerhin 138. Und gegen den IS, der 138 000 Quadratkilometer beherrscht? Sieben pro Tag. Obama scheint keine richtige Lust zu haben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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