Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Warum die USA sich ihren Dämonen stellt, Künstler und Autoren nichts von Putin verstehen müssen und es gut ist, reich, aber sexy zu werden.

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Die CIA hat gefoltert – müssen Bush und Cheney vor Gericht?

So funktioniert das Verhältnis von Geheimdiensten und Regierungen nicht; es herrscht das Prinzip der „glaubhaften Abstreitbarkeit“. Es rollen immer die Köpfe der Unterlinge. Wichtig ist: Der Bericht hat die üblen Praktiken ans Licht gezogen. Die Warnung wird wirken. WmdW hält es mit dem „Economist“: Die „Häme“ aus so vorbildlichen Ländern wie Russland und China „sollte nicht vergessen machen, dass Amerika sich seinen Dämonen zu stellen pflegt, was anderen Staaten als Beispiel dienen sollte“.

Prominente deutsche Politiker fordern mehr Verständnis für Moskau – eine Rückkehr des Sonderwegs?
Dass Künstler und Autoren unterschrieben haben, sei ihnen verziehen; sie müssen von Außenpolitik nichts verstehen. Dass Ostexport-Lobbyisten es tun, ist ihr Geschäft. Dass aber frühere Kanzler und deren Sicherheitsberater von „wieder Krieg in Europa“ plaudern, zeugt von einem fantasievollen Geschichtsverständnis. WmdW fallen ein Dutzend Krisen ein, die wirklich gefährlich waren: von der Berlin-Blockade bis zum Mauerbau, von Moskaus drei Gewalteinsätzen im Ostblock bis zur atomaren Vorrüstung (SS-20). Wenn einer „Krieg“ führt, ist es Putin in der Ukraine, wogegen der Westen vorsichtig reagiert. Als die Russlandversteher noch Verantwortung trugen, waren sie klüger. Sie wussten, dass Moskaus Expansionismus das Problem war. Ohne die Nachrüstung hätte Gorbatschow nicht der Null-Lösung zugestimmt: keine Mittelstrecken-Raketen für niemand.

Michael Müller statt Klaus Wowereit – eine Chance für Berlin?
Von „arm, aber sexy“ kann man nicht leben. Berlin war vor dem Krieg die größte Industriestadt Europas; mit dem Reichtum wuchsen Kultur und Wissenschaft. Heute leben 40 Prozent von „Staatsknete“. Berlin braucht einen kompetenten Verwalter. Der sich anders als Wowi um den ökonomischen Unterbau kümmert, damit Berlin in die Nähe von New York, London und Paris rückt. Cool ist gut, Wohlstand ist besser.

Ein Wort zur Griechenland-Krise ...
Die Euro-Krise, die in Athen begann, ist wieder da, weil das Land die Reformauflagen nicht erfüllt und abermals EU-Milliarden braucht. Doch rät WmdW zur Gelassenheit. Die EU wird Griechenland immer wieder alimentieren, weil sie es sich bei dieser kleinen Wirtschaft leisten kann. Für die großen Problemfälle wie Frankreich und Italien fehlt aber selbst ihr das Geld. Der Euro war eine tolle Idee, der bloß eines fehlte: die Einsicht in die grausamen Realitäten einer Union, in der nicht zusammenwächst, was zusammengehören sollte.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Malte Lehming.

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