Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Sich trotz Spionage abregen, Clintons ihre Gage gönnen, Flüchtlinge in die EU lassen - was "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu den aktuellen Themen sagt. Vier Fragen, vier Antworten.

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Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".Foto: Promo

Offenbar hat der BND der NSA geholfen, in Europa zu spionieren. Spricht das für gute transatlantische Beziehungen?
In seiner kurzen Story spricht der "Spiegel" gleich sieben Mal von einem "Skandal", ohne zu erklären, wer was verbrochen hat. Es heißt, die NSA habe dem BND jahrelang Computer- und E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern geliefert, die er "in seine weltweiten Überwachungssysteme" eingespeist habe; die "Ergebnisse gingen zum Teil an die NSA". Das ist noch kein Skandal, sondern Routine. Wenn aber der BND deutsche Unternehmen/Politiker richtig abgehört hat, was er nicht darf, hätten wir es mit einem üblen Gesetzesbruch zu tun. Die präzise Recherche bringt’s an den Tag. Oder nicht.

Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur: Ist das Geld ihre Achillesferse?

Wissen Sie, was ein US-Präsident verdient? 400.000 Dollar. Der Football-Coach der Universität Michigan kriegt zehn Mio. Deshalb sollte man Mr. und Mrs. Clinton die sechsstelligen Rednerhonorare gönnen, die sie nach ihrer Knochenarbeit für Volk & Vaterland kassieren. Außerdem: Wo soll Mrs. C. die 2,5 Milliarden für ihren Wahlkampf hernehmen? Die müssen in Amerika privat eingeworben werden. Entscheidend ist: Haben die C’s in ihrer Amtszeit Spenden von Regierungen und Firmen genommen und Wohltaten geliefert? Am 5. Mai kommt Peter Schweizers "Clinton Cash" heraus, von dem die "New York Times" meint, es könne "unangenehmer" für die C’s werden als "alle Kritik zuvor".

Frau von der Leyen und die Bundeswehr: Ist das G36 ein Gewehr zum Schießen?

Früher war alles besser. WmdW erinnert sich an den zuverlässigen Karabiner 98 aus dem Ersten Weltkrieg. Auch an das legendäre MG 42 aus dem Zweiten – deutsche Wertarbeit. Das sagen kurdische Peschmerga über das G36: "Es hat fast keinen Rückstoß, es ist leicht, es schießt sehr präzise." Anscheinend streut es bei Dauerfeuer. Doch dafür werden Sturmgewehre nicht gebaut; da läuft jede Wumme heiß. Sorgt sich UvdL eher um die Heckenschützen in Parlament und Medien? Die Entwicklung eines neuen Gewehrs dauert Jahre. Was will sie unseren Jungs und Mädels in die Hand drücken? Das uralte G3? Die Dschihadis werden sich freuen.

Nach dem EU-Gipfel: Ein weiteres Wort zu den Flüchtlingen ...

Das Operationsgebiet "Triton" bleibt auf die EU-Küstenregionen beschränkt. Aber ertrunken wird schon vor der Gegenküste. Machen wir uns nichts vor. Zwischen Menschenpflicht und Eigeninteresse lassen sich nur faule Kompromisse schließen. Die EU wird aber nicht umhinkommen, immer mehr Ungebetene aufzunehmen – wie die USA, die trotz ihrer Zäune und Patrouillen Millionen von Latinos reinlassen mussten.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit". Derzeit lehrt er an der Stanford University. Die Fragen stellte Malte Lehming.

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