Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Mit Deutschlands Einstellung hadern, Menschenschlepper mit falschen Methoden jagen, auf die Präsidentschaftskandidatur von Jeb Bush schauen und den Tod von B.B. King betrauern. Vier Fragen Fragen, vier Antworten.

Josef Joffe
Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit".Foto: Promo

Ist Deutschland in der NSA-Affäre gegenüber den USA zu untertänig?

In diesem Land herrscht ein simples Narrativ: Wir machen so was nicht; das tun nur die Amis – wobei Briten, Franzosen, Chinesen und Russen unter den Tisch fallen. Wir machen es aber doch, und zwar aus zwei Gründen. Einmal, um Terrorangriffe im Keim zu ersticken. Zum Zweiten, um Tauschmaterial für den Handel mit anderen Diensten zu haben; wer nichts gibt, kriegt nichts. Deshalb ist das Ende der Zusammenarbeit eine fromme Mär. Besser, massiv in die Gegenspionage zu investieren, um elektronisches Schnüffeln gegen Deutsche zu verhindern. Dann: die USA am Portepee packen, hat doch das Unterhaus gerade beschlossen, der Regierung den Zugriff auf Milliarden von „Metadaten“ zu verbieten. Nach der Devise: Tu mir nichts an, was du dir nicht antust.


Die EU will Schlepper im Mittelmeer militärisch bekämpfen. Funktioniert das?
Das versteht WmdW auch nicht. Da bringen also Kriegsschiffe die Schlepperkähne auf. Was geschieht mit den Flüchtlingen? Werden die Boote zurück ins Höllenloch Libyen eskortiert? Oder kriegen sie sicheres Geleit in den nächsten EU-Hafen? Im ersten Fall wird die EU zum Büttel, der abfängt und zurücktransportiert. Im zweiten wäre die EU- Marine ein freundliches Empfangskomitee, das allen die Aufnahme ins Gelobte Land garantiert. Die EU will aber die Tore nicht öffnen. Ein abartiges Bild tut sich auf: An Bord wählen die Bürokraten aus – du darfst, du musst zurück. Schauderbar.


Jeb Bush steht vor einer Kandidatur: Ist er wie sein Vater oder wie sein Bruder?
Vor allem ist er nicht besonders clever. Vergangenen Montag plauderte er, dass er nach der Faktenlage von damals genauso für den Irakkrieg optiert hätte wie W. (und Hillary Clinton). Am Donnerstag: „Nach allem, was wir heute wissen“, hätte er Nein gesagt. Ein schlauer Wahlkämpfer wehrt solche No-win-Fragen elegant ab. Er hat noch viel zu tun, um sich von Papa und Bruder Bush abzusetzen, ohne sie zu diskreditieren. Jeb sollte bei der Kanzlerin in die Lehre gehen, der Meisterin der diffusen, ausweichenden Antwort. Ein gewitzter Politiker sieht die Fallstricke schon von Weitem. Ja, er riecht sie.


Ein Wort zu Amerika …
B. B. King, der größte Blues-Musiker aller Zeiten, ist im Alter von 89 gestorben. Nicht nur die Opas, auch die heutigen Kids kennen ihn. Schon 1952 hatte er mit „3 O’Clock Blues“ die Spitze der R-&-B-Charts erobert. Er hat selbst Briten wie Eric Clapton und Keith Richards inspiriert. Sein Hit von 1971, „The Thrill is Gone“, verhält sich zum Blues wie Beethovens „Neunte“ zur E-Musik. Jetzt singt der ehemalige Baumwollpflücker für den lieben Gott und seine Engel, die ihre Harfen verschämt verstecken.
Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt derzeit an der Stanford University.

Fragen: mos.


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