Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Hilft eine Quote dabei, das Flüchtligsdrama zu lösen? Stärken Atomwaffen die Vernunft? Und wie steht's um den Wahlkampf in den USA? Was "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu den aktuellen Themen zu sagen hat.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Die globale Ausbreitung des Englischen als lingua franca: Ist das ein zweites pfingstliches Sprachwunder?

Da „kam die Menge zusammen, und es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten“. So steht’s bei Luther. Aber das erste Wunder war wie bei einer Google-Übersetzung: Jeder sprach mit seiner Zunge, und der Hl. Geist übersetzte. Wie holperig, wissen wir nicht. Englisch aber funktioniert, weil alle es sprechen. Erstens, weil die Briten, dann die Amis das Englische als Handels- und Verkehrssprache rund um die Welt trugen. Auf See, in der Luft reden wir Englisch. Zweitens: Englisch lässt sich am Anfang schnell lernen, weil die Grammatik so einfach ist (hinterher wird’s exponentiell schwerer). Drittens ist Englisch praktisch. „SALE“ hat nur 4 Buchstaben, „Sommerschlussverkauf“ hat 20.

Bei der Aufnahme der Mittelmeer-Flüchtlinge kann sich die EU auf keine Quote einigen. Ist das nur peinlich oder auch verständlich?

Seien wir gnädig. Wir wollen nicht, dass die Flüchtlinge ertrinken, aber wir wollen sie nur in Maßen aufnehmen. Deshalb gilt das Prinzip: „Hannemann, geh du voran.“ Der Preis ist die Heuchelei. Diese, besagt ein Sprichwort, ist der Tribut, den die Tugend der Selbstsucht zollt. Anderseits: Warum sollen die Küstenstaaten wie Italien die meisten aufnehmen? Die EU-Staaten werden schachern und tricksen, aber zum Schluss werden sie alle ihren Teil der Bürde übernehmen. Vorerst aber wollen sie die Schlepper-Schiffe versenken, bevor sie die Flüchtlinge aufnehmen. Dabei werden sie gute Seerechts-Anwälte brauchen.

China und Amerika beargwöhnen sich im Südchinesischen Meer. Wie bedrohlich ist die Konfrontation?

Die Chinesen werden keinen Krieg gegen die weit überlegenen USA anzetteln, und diese wollen das Risiko klein halten. Hier wird sich zeigen, wie vernunftstärkend Atomwaffen sind – wie im Kalten Krieg. Und Peking merkt, wie es alle pazifischen Anrainer gegen sich aufbringt. Wie so oft in der Geschichte erzeugen expansionistische Mächte Gegenbündnisse. Japan hat die viertgrößte Flotte auf Erden. Indien ist Nr. 7, und Südkorea Nr. 8. Und Amerika die allergrößte.

Ein Wort zum US-Vorvorwahlkampf ...

Wie viele Republikaner-Kandidaten es gibt, weiß WmdW nicht so genau. Die Zahl 19 gaukelt durch den Raum. Kein Frontrunner bis jetzt, und Jeb Bush hat zwar die meisten Millionen, kommt aber nicht in die Gänge. Der Star dieser Woche ist Marco Rubio, der Senator aus Florida. Er ist eine Generation jünger als Mrs. Clinton und ein begnadeter Redner. Als Aufsteiger aus kleinsten Verhältnissen und als kubanischer Einwanderersohn verkörpert er den amerikanischen Traum. Aber der brutale Ausleseprozess währt noch zwölf Monate.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Derzeit lehrt er an der Stanford University. Die Fragen stellte: mal

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